von Cornelia Hüsser • 31.01.2026
Zumindest hier im Mittelland ist der Januar vor allem eines: grau. Warum also nicht einen Ausflug in einen gemütlichen, grünen und total harmlosen Pflanzenladen unternehmen oder sich ein paar Utopien hingeben?

Von einem Spaziergang in den Wald kehrt nur der 14-jährige Eugene zurück – von seinem Vater keine Spur. Was passiert ist, kann der Jugendliche allerdings niemandem erzählen; aufgrund von Autismus und Angelman-Syndrom kann er nicht sprechen oder sich auf andere Art mitteilen. Schnell rückt er selbst in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Doch seine Geschwister beginnen eigene Nachforschungen anzustellen – und lassen nach und nach die Fassade der Familie bröckeln.
«Happiness Falls» ist ein clever konstruierter, unblutiger Thriller. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und facettenreich, und Angie Kim versteht es, die Lesenden über nerdige Fussnoten abseits vom Plot zu unterhalten. Dort kann man nämlich in spannende Betrachtungen zu den Themen Kommunikation und Glücksforschung eintauchen. Ein echter Pageturner.
2025 • 544 Seiten • hanser blau • Bestellen

Der Kampf um Arrakis, den Wüstenplaneten, ist vorbei; Paul Artreides wurde von den Fremen zum Propheten ernannt, bedingungslos folgen sie ihm in einen Djihad. Doch das neue Imperium und die konzentrierte Macht rufen Neider auf den Plan …
Der zweite Teil der Dune-Serie spielt 12 Jahre nach dem ersten Band; die Grundstimmung ist deutlich düsterer, die Handlung geprägt von politischen Intrigen, Eifersucht und Missgunst. Von der Darstellung der Frauenfiguren sollte man nicht zu viel erwarten (entweder verrückt oder vom Kinderwunsch zerfressen), auch im Plot geschieht deutlich weniger als im ersten Band. Davon abgesehen ist das Buch aber ganz unterhaltsam.
2019 • 336 Seiten • Heyne • Bestellen

Es ist ein eher abgelegenes Viertel in Dosan, in dem Yu-hee ihren «Plant Shop» eröffnet. Doch die grüne Oase gewinnt schnell an Beliebtheit – insbesondere bei Frauen, die unter übergriffigen Männern leiden. Yu-hee hilft ihnen auch bei diesen Problemen; doch bald schöpft der örtliche Detective einen Verdacht.
Minyoung Kang schreibt in nüchternem, distanziertem Ton von den besonderen Dienstleistungen ihrer Hauptfigur; wie genau diese aussehen, wird allerdings ausgespart, diese Lücken muss man selber füllen. Reflexion findet keine statt, die Charaktere bleiben eindimensional und relativ emotionslos. Auch Spannung wird kaum aufgebaut, «Plant Lady» ist kein Thriller oder Krimi; vielmehr sollen gesellschaftliche Problemstellen aufgezeigt werden. Auch wenn ich der Autorin in ihren bitteren Betrachtungen vollkommen Recht gebe, ist die Geschichte aber schlussendlich doch recht banal.
2025 • 208 Seiten • Heyne • Bestellen

Ganz nach oben kommen, sich selbst und allen anderen etwas beweisen: Das war immer das Ziel. Eine Ausbildung in Oxbrige, eine Karriere in der Finanzbranche, ein weisser Freund aus einer vermögenden Familie. Doch als die Schwarze Ich-Erzählerin endlich auf das Anwesen seiner Eltern eingeladen wird, muss sie feststellen, dass die Versprechungen eine Illusion waren – denn egal, wie sehr sie sich anstrengt, sie wird niemals dazugehören.
«Zusammenkunft» setzt fragmentarisch ein Bild zusammen, was es bedeutet, eine Schwarze Frau im heutigen Grossbritannien zu sein. Es könnte aber genauso gut jedes andere westliche Land sein: das Herunterspielen von Klassenunterschieden, das Totschweigen kolonialer Verflechtungen, das Wegschauen bei sexueller Belästigung und Diskriminierung existiert hier genauso wie dort. All dies schildert Natasha Brown in eindringlicher Sprache. Ein wichtiges und gleichzeitig ästhetisch ansprechendes Buch.
2022 • 113 Seiten • Suhrkamp • Bestellen

Wie es der Titel verrät, sind die Kurzgeschichten in «Dein Utopia» in unterschiedlichen Zukunftsvisionen angesiedelt. Mal befindet sich die Menschheit kurz vor dem Durchbruch in der Unsterblichkeitsforschunug, kann mithilfe neuer Technologien die Erinnerungen von Komapatienten durchforsten oder lässt die Menschen von ihren Wohngebäuden totalüberwachen.
Während (fast) alle Geschichten eine interessante Prämisse haben, bleiben sie am Ende doch meist witzlos. Ich fand auch den Schreib- (bzw. Übersetzungs?)stil eher zäh. Trotzdem wagt die Autorin spannende Gedankenexperimente, die man gerne vertiefen mag, und aus manchen Geschichten könnte man in einer längeren Version bestimmt mehr herausholen.
2025 • 264 Seiten • CulturBooks • Bestellen