Basil Linder, Vera Roggli, Eva Wolf (Hrsg.): Das Küchentuch. Ansichten zu einem Alltagsgegenstand

von Cornelia Hüsser • 15.01.2026

Verlag: Scheidegger & Spiess
304 Seiten • Softcover
Erschienen: 20.11.2025
ISBN: 978-3-03942-280-7

Es gibt viele Dinge, die wir im Alltag benutzen, ohne weiter über sie nachzudenken. Erst bei näherer Betrachtung eröffnen sich Komplexität und Vielfalt, gar neue Welten – so zum Beispiel beim Küchentuch.

Meine derzeitige Wohnung ist die erste, in der mir ein Geschirrspüler das Geschirrspülen abnimmt. Das tut er, im Gegensatz zu anderen Haushaltsgeräten, seit Jahren zuverlässig und sauber. Und trotzdem ist ein Gegenstand des manuellen Abwaschs nicht aus der Küche wegzudenken: das Chuchitüechli.

Handgewoben oder industriell produziert, mal sauber, mal schmutzig, mal mehr oder weniger saugfähig: Dass das stoffene Rechteck viele Geschichten zu erzählen hat, beweisen die Essays in den «Ansichten zu einem Alltagsgegenstand». Dreizehn Autor:innen, Künstler:innen und Designer:innen nähern sich darin auf verschiedenen Wegen dem thematisierten Tuche.

So analysiert Vera Roggli akribisch Machart und Einsatzgebiet verschiedener Tücher aus West- und Nordeuropa; Anna Dreussi besucht eine Ostschweizer Manufaktur und bringt in Erfahrung, welche Designs sich am besten verkaufen. Und Tamara Janes bringt derweil feministische Botschaften in scheinbar harmlosen Katzenmotiven unter.

Andere Essays nehmen das grössere Wirkungsfeld des Geschirrtuchs in den Fokus. Hans Fässler beispielsweise wirft einen Blick in die koloniale Küche – und enttäuscht nicht, wenn er das Kultgericht Riz Casimir hervorhebt. Überhaupt vermag es das Küchentuch, uns etwas über das Leben, Zeit- und Klassenunterschiede mitzuteilen; das beweist Rebecka Domigs Exkurs in die bildende Kunst, in dem sie Werke aus dem 16. Jahrhundert bis in die Moderne betrachtet.

Weitere Autor:innen geben praktische Anleitungen zum Einsatz des Küchentuchs als Verpackungsgegenstand (wie es früher das Grubentuch tat) oder nähern sich ihm poetisch oder mittels persönlicher Erinnerungen an. Das Buch lebt von diesem Wechsel zwischen historischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Betrachtungen. Und so wird aus einem einfachen Alltagsgegenstand allmählich ein vielschichtiges, erlebbares und erforschenswertes Objekt.