Fanny Vaucher, Éric Burnand: Emmas Zeit

von Michael Bohli • 16.05.2026

Verlag: Edition Moderne
208 Seiten • Hardcover
Erscheinungstermin: 03.03.2026
ISBN: 978-3-03731-294-0

Die Schweizer Geschichte ist langweilig? Fanny Vaucher und Éric Burnand beweisen mit dem lehrreichen und packenden Comic «Emmas Zeit» das Gegenteil.

Die neutrale Schweiz, in der sich die Bevölkerung durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und weiss, was sie am Nationalstolz hat. Falls deine Wahrnehmung ähnlich ausgerichtet ist, solltest du den Comic «Emmas Zeit» von Fanny Vaucher und Éric Burnand lesen. Die beiden holen nach, was der Geschichtsunterricht versäumt hat und räumen das Vorurteil der langweiligen Schweiz beiseite.

Richtig ist, dass sich unser Land hinter scheinheiliger Zurückhaltung und Wohlstand versteckt und als Weltbank von globalen und lokalen Krisen meist ausgeklammert wird. Im Landesinnern brodelte es aber im 20. Jahrhundert zünftig, davon kann Emma ein Lied singen. 1918 verlor sie ihren Verlobten im Landesstreik, in den nachfolgenden Jahrzehnten wurden familiären Beziehungen auf die Probe gestellt.

 

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Erzählerisch wird der Stab an Bruder Franz, den Neffen Thomas und die Enkelin Véronique weitergegeben, was «Emmas Zeit» mit zusätzlichen Perspektiven ergänzt und drei Generationen den Raum zur Wortmeldung gibt. Nationalismus, Einwanderung, Jugendunruhen und soziale Veränderungen – manches geschah abrupt, anderes entwickelte sich jahrelang. Autor Éric Burnand hat geschickt verdichtet, ergänzt die Story mit übersichtlichen Tableaus und schafft Überblick.

Dazu tragen die wunderbaren Zeichnungen von Fanny Vaucher ihren Teil bei: Feine Striche mit Aquarellkolorierung, knuffige Gesichter und gelungene Details lassen die ehemaligen Zeiten auf den Seiten aufleben. Das Seitenlayout ist klar gegliedert, der Lesefluss wird nie gestört. Das Resultat ist ansprechend, lehrreich und unterhaltsam.

Vaucher und Burnand haben mit ihrem famosen Werk «Emmas Zeit» nicht nur die turbulenten Entwicklungen im Land treffend zusammengefasst, sondern zugleich bewiesen, dass alles so bleibt, wie es nie war.


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