Karin Rey: Karat

von Cornelia Hüsser • 10.09.2025

Verlag: Atlantis Literatur
208 Seiten • Gebunden
Erscheinungstermin: 21.08.2025
ISBN: 978-3-7152-5050-2

Etna ist Goldschmiedin – aber das schmutzige Goldgeschäft geht ihr gegen den Strich. Sie will sich für faire Arbeitsbedingungen und nachvollziehbare Handelswege einsetzen. Doch plötzlich ist da noch etwas ganz anderes, das sie aufwühlt.

Wir sind in der Schweiz, wir sind im Aargau, wir sind in Brugg: Im Fachgeschäft «Schmuckes» will Svenja vor der Hochzeit ihre Eheringe abholen. An der Tür zur Werkstatt hängt ein Veranstaltungsplakat zum Thema sauberes Gold; dahinter hört sie ein Schluchzen: Etna. Die Lage ist ernst und auch ein wenig bizarr. Grund genug für Svenja, Etna nach Basel zu begleiten, um dort ein Problem zu klären.

So beginnt der Roadtrip durch die Schweiz, auf den uns Karin Rey mit ihrem Romandebüt «Karat» schickt. Sie lässt die beiden Frauen zuerst in einem Kleinwagen, dann in einem halbgeklauten Camper durch die Nordwest- und Westschweiz rumpeln und diverse Bekanntschaften Etnas abklappern. Und obwohl wir uns hier keineswegs in einem Heimatkrimi befinden, wird doch mit einer grossen Portion Lokalkolorit hantiert (Brugg, Basel, Hallwilersee, der Fressbalken Pratteln, das Hirscheneck Basel, Bözberg, die Band Hecht, der Chasseral, Saint-Imier, das Kantonsspital Baden). Brauchen tun das Geschichten eigentlich nie. Auch diese nicht.

Spannend, wenn auch etwas unbeholfen in lange Monologe verpackt, sind dafür die gut recherchierten Fakten zur Schürfung und dem Handel von Gold. Denn während wir die Goldbarren in den Bunkern unserer Banken und die Chips in unseren Smartphones vielleicht mit schmutzigen Geschäften in Verbindung bringen, tun wir das mit unseren Schmuckstücken in der Regel nicht. In dieser Hinsicht liefert der Roman gute Denkanstösse.

Die beiden Hauptfiguren, Svenja wie auch Etna, machen zudem durch die gemeinsame Erfahrung jeweils einen eigenen inneren Wandel durch; Svenja reflektiert ihre Beziehung, Etna ihre Haltung zum Thema Mutter- beziehungsweise Elternschaft. Insgesamt ist «Karat» eine kurzweilige und auch unterhaltsame Lektüre, aus der man einiges mitnehmen kann.