Louisa Merten: Hundesöhne

von Michael Bohli • 08.09.2025

Verlag: Lenos
181 Seiten • Hardcover
Erscheinungstermin: 05.08.2025
ISBN: 978-3-03925-050-9

Das Buch «Hundesöhne» von Louisa Merten vibriert schier vor körperlich spürbaren Gefühlen. Der Roman erzählt vom Verlorensein im Tierheim und im Leben.

Kein Raum ist sauber, überall liegen Haare und bei starkem Regenfall dringt die Nässe durch die Mauern: Das Tierheim Le Chat – Lösch genannt – ist kein paradiesischer Ort, für viele Vierbeiner aber die letzte Hoffnung auf ein ruhiges Leben. Für Ginny, die im Heim arbeitet und lebt, hat sich diese Sehnsucht nicht bestätigt.

Die junge Frau wird regelmässig von ihrer familiären Vergangenheit überwältigt, vom Alltag überfordert und prallt mit Mitmenschen aufeinander. Verzweiflung und Unsicherheiten überschatten alles, das Heim in der Talumgebung wirkt bedrückend und einengend. Als ihr leiblicher Vater das Heim besucht, kippt die Situation komplett.

 

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Egal ob die Familie, die Natur oder das Gebäude selbst: Im Roman «Hundesöhne» von Louisa Merkten ist alles ohne Ausweg. Das Innenleben der Hauptfigur Ginny verbindet sich mit der Landschaft und den menschlichen Körpern, Emotionen werden fassbar, alles ist konstant nah, verknotet und unausweichlich.

Das Debütwerk der in Zürich geborenen und im Berner Oberland lebenden Autorin liest sich stellenweise wie ein Krimi. Die kurzen Abschnitte sind aufgeladen, gespannt blätterst du weiter. Die Geschichte wirkt durch die Kombination aus erzählten Situationen, Erinnerungen und Gefühlen atemlos – und nachvollziehbar.

Am liebsten hätte ich mir den Dreck des Tierheims vom Körper geschüttelt, wäre mit Ginny durch den Regen gerannt und hätte meine Wut auf die Ungerechtigkeiten im Leben in Richtung Bergspitze geschrien. «Hundesöhne» wurde verdienterweise mit dem Chrysalide – Binding Förderpreis für Literatur ausgezeichnet und ist voller Sturm und Drang.


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