von Michael Bohli • 29.09.2026
Nach Umzug und dem Einsortieren der Sammlung bleibt endlich Zeit für neue Manga-Reviews, dieses Mal mit kleinen Katzen, Vampiren und der geplagten Mimi.
Drei neue Manga, drei Reviews – allerdings mit einiger Verspätung. Zwischen Umzugskisten und halb gefüllten Regal in neuen Räumlichkeiten war es gar nicht so einfach, Zeit für Worte und Bilder aus Japan zu finden. Aber Lesezeit muss immer sein!
Manga über Katzen und besonders Manga über die nicht alltägliche Verbindung von alleinstehenden Männern und süssen Fellknäuel werden zahlreicher im Regal. Dazu darf auch das süsse Abenteuer «Fairy Cat» von Hisa Takano gezählt werden.
Der ruhige Kanade trifft eines Tages auf ein sehr kleines Kätzchen, das es sich in seinem Zimmer gemütlich gemacht hat. Dieses fast unscheinbare Wesen wirkt magisch und unnahbar – doch Kanade versucht alles, um eine Beziehung voller Zuneigung zur Däumlingskatze aufzubauen.
Wäre es nicht supertoll, eine nicht mal handgrosse Katze als Begleiterin zu haben? Hisa Takano schreibt und zeichnet in «Fairy Cat» eine magische Begegnung, die entzückt und zum Schmunzeln einlädt. Kurze episodenhafte Kapitel sorgen für ein wärmendes Gefühl, wenn auch die Prämisse bekannt wirkt.
160 Seiten • Carlsen Manga • 978-3-551-80888-2 • Bestellen
Seine Auftraggeberin Madam Song ist tatsächlich eine Vampirin, die seit vielen Jahrzehnten lebt. Das macht den Aufenthalt in ihrem Anwesen und das Malen des Portraits nicht nur interessant, sondern sehr gefährlich. Iho Yun wird von Songs Erzählung in die Vergangenheit entführt und in der Gegenwart zugleich von ihren Feinden eingespannt.
Dass im Zentrum von «Delusion» zudem eine tragische Liebesgeschichte steckt, ist ein Muss bei diesem Gothic-Horror-Webtoon. Vampire und Sehnsucht gehen Hand in Hand, Hongjacga nutzt diese düstere Romantik im zweiten Band für Spannungsmomente. Einige blutige Szenen und die Verflechtungen der Vampirjäger runden die Kapitel ab.
Nach dem Auftakt hat «Delusion» in diesem Band eine grössere Eigenständigkeit gefunden, was das Lesevergnügen verstärkt. Sehr gelungen sind die digitalen Zeichnungen, bei denen Hongjacga Details mit ausdrucksstarken Pinselstrichen kombiniert. Schatten und zurückhaltende Farben bestimmen die Seiten, Madam Songs Schönheit sorgt für einen intensiven Kontrast.
352 Seiten • C Lines • 978-3-551-63143-5 • Bestellen
Arme Mimi: Die junge Frau würde gerne bloss ein normales Leben mit ihrer Familie, ihrem Freund und ihrer Clique führen, Junji Ito hatte aber anderes mit ihr vor. Der japanische Gruselmeister hat in kurzen Storys die Geschichten aus «Shin Mimibukuro» von Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama eigensinnig adaptiert.
Eigensinnig darum, weil alle Kapitel in «Mimi’s Tales of Terror» durch die typischen Zeichnungen voller weicher Gesichter und grausigen Details belebt wurden. Junji Ito holt auf seinen kontrastreichen Seiten den Horror in das japanische Alltagsleben und macht anhand von Mimis Schicksal deutlich, dass hinter jeder Strassenecke der Abgrund lauern könnte.
Am Ende des schicken Bandes (der wie alle weiteren Ito-Veröffentlichungen als Hardcover und mit Bonusmaterial gedruckt wurde) hat man Erbarmen mit der jungen Frau und flüchtet sich selbst vor Schatten in der eigenen Wohnung. Absurdes, Unerwartetes und Grausiges kommen auf den Seiten zu einem grossen Lesevergnügen zusammen.
230 Seiten • Carlsen Manga • 978-3-551-80943-8 • Bestellen
Manga Yomimono
Yominono; japanisch für Lesestoff. Das bieten wir mit dieser Beitragsreihe, regelmässige Lesetipps und Kurzkritiken zu aktuellen Veröffentlichungen im deutschsprachigen Markt. Damit euer Manga-Feuer nie ausgeht.
Alle bisherigen Ausgaben findet ihr hier.