von Cornelia Hüsser • 07.08.2026
Verlag: verlag die brotsuppe
128 Seiten • Softcover
Übersetzung: Yves Raeber
Erscheinungstermin: 2026
ISBN: 978-3-03867-121-3
Eine Dystopie oder allzu nahe Zukunft? Blickt man auf die aktuellen Temperaturen, beschwört Myriam Wahli in ihrem Roman «Wie Wasser im Wasser» wohl eher zweiteres herauf.
Viel zu heiss ist es in dem kleinen Ort La Plaine in der Westschweiz, aus dem die Erzählerin in Myriam Wahlis neuem Roman berichtet. Der Strom wurde rationiert, die Autos sind von den Strassen verschwunden. Das Dorfleben konzentriert sich um den kleinen Kiosk am Bahnhof, wo sich die Menschen begegnen und Klatsch austauschen.
Die Erzählerin: eine junge Frau, die in der nahegelegenen Parfümfabrik arbeitet, um ihren kranken Vater und den autistischen Bruder durchzubringen. Die Mutter ist abwesend, schon lange. Während Marcelle die Übergriffe des Vaters über sich ergehen lässt, unternimmt Adam immer wieder Ausreissversuche; zuweilen scheint es schier unmöglich, ihn wieder nach Hause zu bringen.
Inmitten dieser ganzen Hoffnungslosigkeit versucht Marcelle, ihren Platz in einer Welt zu finden, die sich im Niedergang befindet. Die persönliche Entwicklung rückt denn auch vor die Kulisse der sich zuspitzenden Klimakrise; vielmehr geht es um das Erwachsenwerden, Selbstbestimmung und familiäre Brüche. Marcelle klammert sich zunächst noch an Erinnerungen aus glücklichen Tagen – doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, loszulassen.
Myriam Wahli erzählt Marcelles Geschichte in leiser, poetischer Sprache. Gerade dadurch erzeugt sie eine besondere Intensität: Ohne grosse Dramatik trifft einen der Inhalt umso härter – und hinterlässt damit einen nachhaltigen Eindruck.