Olga Lakritz: so öppis wie d wahrheit

von Cornelia Hüsser • 12.11.2025

Verlag: Der gesunde Menschenversand
248 Seiten • Softcover
Erscheinungstermin: Oktober 2025
ISBN: 978-3-03853-216-3

Ein linker Aktivist kommt im Dunstkreis einer Demonstration ums Leben. Sein Umfeld hat die Polizei im Verdacht, die Menschen fordern Gerechtigkeit. Mittendrin: seine Exfreundin, die alle im Ungewissen darüber lässt, was sie vom Geschehen mitbekommen hat.

Wie lebt man weiter, wenn ein geliebter Mensch aus dem Leben gerissen wurde? Wenn dieser Tod ungerecht und gewaltsam war? Wenn die Täter weiter unbehelligt ihrer Wege gehen dürfen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Olga Lakritz in «so öppis wie d wahrheit». Sie zeigt die Trauer als schier undurchdringbaren Nebel, der sich über die schmerzhaftesten Erinnerungen legt.

Was nämlich beim letzten Treffen mit ihrem Exfreund passiert ist, weiss die Ich-Erzählerin nicht mehr. Sie weiss nur, dass sie sich seit seinem Tod wie in Einzelteile zersplittert fühlt; dass sie Tag für Tag versucht, sich neu zusammenzufügen – und Tag für Tag scheitert. Von Freunden und Eltern hat sie sich zurückgezogen, nicht einmal von ihrer Psychotherapeutin erwartet sie mehr Hilfe.

Gespräche, Erinnerungsfetzen und Gedanken fügt Lakritz zu einem Gesamtbild zusammen, das zunächst diffus ist, mit der Zeit aber immer klarer wird. Der Roman fokussiert hauptsächlich auf das Innenleben und die überwältigende Trauer der Erzählerin. Die Themen Polizeigewalt und Rassismus rücken – obwohl Ursache für ihr Leid – darum in den Hintergrund; deutlich wird aber, wie das Private und das Politische untrennbar miteinander verbunden sind. Erst zum Schluss wird ausgesprochen, was tatsächlich passiert ist: Der blinde Fleck wird sichtbar.

«so öppis wie d wahrheit» – der erste Mundart-Roman der Autorin – ist im Zürcher Dialekt verfasst, durchzogen von eingedeutschten Wörtern und Satzkonstrukten. Das lässt die Sprache an mancher Stelle bemüht wirken. Authentisch sind wiederum die eingestreuten Anglizismen, wie sie im Alltag gerne verwendet werden. Lesenswert ist das Buch aber auf jeden Fall – thematisch wie formal.