Simone Stolz: Dazwischen die Einsamkeit

von Michael Bohli • 21.08.2025

Verlag: Edition Clandestin
264 Seiten • Softcover
Erscheinungstermin: 15.07.2025
ISBN: 978-3-907262-67-2

Aufzeichnung, grafische Arbeit und Sachbuch; «Dazwischen die Einsamkeit» von Simone Stolz ist vieles zugleich und widmet sich feinfühlig der ehemaligen Fremdplatzierung von Heimkindern.

Die Schweiz ist geübt darin, ihre dunkelsten Seiten mit Schweigen in der Zone der Vergessenheit zu vergraben. Zu gerne stellen wir uns als neutrale Gesellschaft mit weisser Weste dar, während viele leiden. Auch bei den ehemaligen Fremdplatzierungen von Kindern und Jugendlichen wird so vorgegangen, die Aufarbeitung passiert schleppend.

Bis in die Achtzigerjahre wurden in unserem Land viele tausend Unschuldige in Heime und Anstalten verfrachtet, weit weg von ihren Familien und gewohntem Leben. An Orte, in denen die Erziehung mit Gewalt geschah und harte Arbeit an der Tagesordnung lag. Dass sich viele Betroffene nur schlecht oder lieber gar nicht an diese Jahre des Heranwachsens erinnern, liegt auf der Hand.

 

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Umso wichtiger ist es, dass es Publikationen wie «Dazwischen die Einsamkeit» gibt, die diese Zeiten und Erfahrungen fassbar machen. Die Illustratorin Simone Stolz hat für ihr Buch mit ehemaligen Heimkindern gesprochen und deren Geschichten zu Bildstrecken umgeformt. Feinfühlig, voller Emotionen und mit viel Empathie liest sich das Resultat.

«Dazwischen die Einsamkeit» begann als Bachelorarbeit und wurde von Stolz zur Graphic Novel ausgeweitet, wobei die gewohnten Begriffe gedehnt werden. Auf den Seiten kommen monochrom gehaltene Zeichnungen mit Sprechblasen, Textfragmenten und Beobachtungen der Gebäude und Landschaften zusammen. Sachbuch, historische Aufarbeitung und die Wiederauferstehung einsamer Momente verweben sich nahtlos.

Kleine Hoffnungen wurden zu seitenfüllenden Zeichnungen, ewige Nächte treffen auf trockene Aktennotizen – und ohne die Leben der Heimkinder detailgenau nachzuerzählen, wird in «Dazwischen die Einsamkeit» ein Erfahrungsbericht, der berührt und beeindruckt.