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Brugggore Filmfestival 2026: Let’s eat!

von Michael Bohli und Cornelia Hüsser • 28.04.2026

Es wurde angerichtet: Zum sechsten Mal wurden Genrefilme am BRUGGGORE Filmfestival zelebriert. Wir haben den Mehrgänger gekostet und unsere Geschmacksnerven auf die Probe gestellt.

Die sechste Ausgabe des BRUGGGORE Filmfestivals brachte einige Neuerungen mit sich: einen gelockerten Zeitplan mit zusätzlicher Spielstätte im Salzhaus, einen Merchandise-Markt und mehr Verpflegungsmöglichkeiten. Besonders letzteres wurde von den Macher:innen regelmässig betont – ihr lest in diesem Rahmen also unsere erste Restaurantkritik.

Die Ernährung war für uns Besucher:innen neben den Filmen ein zentraler Punkt; schliesslich wollen fünf Tage im Kinosaal mit genügend Vitaminen und Nährstoffen überstanden werden. Der Vitamin-A-bis-C-Haushalt wurde mit jeweils zwei Bananen, Birnen, Mandarinen und einer Schale Beeren reguliert; Vitamin D konnte in den nun längeren Pausen direkt unter der Brugger Frühlingssonne gebildet werden. Für den Rest sorgen die zahlreichen filmischen Menügänge.

Amuse-Bouches

Vergesst Kindermenüs. Die neun Kurzfilme, die bei filmkids.ch entstanden sind, stellten jede Pingu-Glacé in den Schatten. Junge Talente erhielten Raum am Festival, Teigkellen wurden als Tatwaffe gerührt, betäubende Häppchen und Körperteile in der Lagerhausküche verteilt. Nicht nur die Gewinnerwerke «Broke Romance», «Welcome Amelie» und «Das Haus am Fluss» überzeugten mit Kreativität, Witz und Inhalt. Diese Sondervorstellung war ein Gewinn am Festival und lässt auf zukünftige Ausgaben hoffen.

Weitere Grüsse aus der Küche gab es in zwei fantastischen Kurzfilmblöcken. Im internationalen Kurzfilmwettbewerb «Short But Deadly» frönte man Sushi-Exzessen («Belly Belly», Gabriel Carnick) und monströsen Rendez-vous («The Fling», Jemma Cotter). Die Auswahl «Fleshbound & Doomed» servierte frische Finger («Dar-Dar», Paul Urkijo Alijo) und versprach Haarpracht für Herr-Ober-Witze bis ans Ende des Lebens («Karv», Oskar Lehemaa).

Vorspeise

Die Vorspeisen am diesjährigen Festival machten vor allem eines: hungrig. Die Vielfalt an Inhalten überzeugte zwar, selten aber deren Ausarbeitung. Das haarige japanische Curry in «Mag Mag» war verkocht, bei «Affection» wurde ein falsches Rezept für bekannte Zutaten verwendet. Das Mundgefühl blieb insgesamt fade.

Ähnlich verhielt es sich mit «Inferno»; obwohl die belgische Produktion mit dem Thema Femizide wichtige Diskussionen anriss, wollte der kannibalistisch garnierte Teller nur teils munden. Dafür waren die Rezeptveranwortlichen vor Ort und führten ein Q&A durch.

Hauptgang

Zünftig aufgetischt wurde bei den Hauptgängen. Endlich wieder auf dem Speiseplan stand das neuste Gericht der Familie Adams: «Mother of Flies» war eine Waldspeise, verfeinert mit einem Bouquet garni aus Pilzen, Flechten und tiefgründigen Gedanken zu Krankheit und Lebenswunsch.

Das Leben und die daraus folgenden Sorgen waren die Hauptzutaten des diesjährigen Gewinnerfilms des Publikumspreises: «Life for Beginners» aus Polen liess uns melancholisch an Blutkonserven saugen. Mit einfachem Wasser, aber perfekt al dente gekocht war die japanische Game-Verfilmung «Exit 8» und liess uns mit Wiederholungen und Anomalien vorzüglich am eigenen Verstand zweifeln.

Omas schmackhaftes Ghormeh Sabzi gegen lieblose Automaten-Sandwiches eingetauscht hat «Foreigner» – was man eben so tut, um sich als iranische Teenagerin in der neuen westlichen Heimat zu integrieren. Der Eintopf aus Coming-of-Age-Themen und Fragen zu kultureller Identität war subtil und stimmig im Geschmack.

Dessert

Darfs noch etwas Süsses sein? Für Zucker im Blut sorgten nicht nur die Drinks im Odeon und Excelsior, sondern auch das Debütwerk von Tina Romero. «Queens Of The Dead» war eine herzensgute, queere und glitzernde Zombie-Drag-Mischung mit süssen Cocktails (Yum Yum Yum!) und einem Foodtruck als Fluchtfahrzeug. Ha!

Zu viele Zusatzstoffe steckten hingegen in den Donuts von «Thinestra». Die Body-Horror-Kopie von The Substance tauschte das Thema Alter gegen Gewicht, wusste darüber hinaus aber nichts Neues zu erzählen. Immerhin war mit diesem Gang ein Weihnachtsfilm am Festival vertreten.

Mitternachtssnack

Wenn der mitternächtliche Hunger kickt, greift man gerne zu etwas Bewährtem. Und die grössten Portionen verschlingt eindeutig ein Werwolf: «Ginger Snaps» aus dem Jahr 2000 verhandelte seine Themen besser als manch aktueller Streifen. Vollmundig und sättigend, bis die Sonne wieder aufgeht.

Junk Food

Wie eingangs erwähnt, wurde im Restaurant BRUGGGORE durchaus auch ungesundes Essen offeriert. Audiovisuelle Kost, die schnell in Vergessenheit geriet, sobald sich das Gehirn von Salz und Fett erholt hatte. Stellenweise gab es sogar Gerichte wie «Hold The Fort», die sich zu guten Filmen verhalten wie eine Flasche «This Is Food» zur gekochten Mahlzeit.

Auch die Snacks von bekannten Namen verpufften schneller als Maiskörner in der Popcornmaschine. «Whistle» war ein Ideenklaureigen à la AI-Molekularküche; «No Me Sigas» die nächste Blumhouse-Suppe mit zu vielen Zutaten, wenig Umami und nur fürs Geld zusammengebraut. Aber schlussendlich machen bekannte Fast-Food-Ketten ab und an auch ohne Sättigungsgrad Spass, und das soll sich bei Horrorfilmen nicht anders verhalten.

Wir freuen uns bereits heute auf die wohlkuratierte und schick zusammengestellte Speisekarte der siebten Ausgabe im Jahr 2027 – voller aufgewärmter Klassiker, gewagter Neukreationen und wilder kulinarischer Exkurse.

BRUGGGORE Filmfestival 2026

Ort:
Diverse Lokale, Brugg

Datum:
21. bis 25.04.2026

Website:
brugggore.ch

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