Kino: El Mundo Al Revés

von Michael Bohli • 24.03.2026

Regie: Agostina Di Luciano • Leon Schwitter
Land: Schweiz • Argentinien
Jahr: 2025
Verleih: Sister Distribution

Dokumentarfilm oder Fantastik-Erzählung? Agostina Di Luciano und Leon Schwitter vermengen im ruhigen Kinofilm «El Mundo Al Revés» die Sehgewohnheiten und Inhalte.

Alles wirkt nah und greifbar, doch mit jeder Minute, die verstreicht, wird der dokumentarische Ansatz von merkwürdigen Vibes und Entwicklungen durchzogen. Eine alltägliche Erfahrung ist «El Mundo Al Revés» nicht, auf diesen Film muss man sich einlassen.

Die Koproduktion zwischen der Schweiz und Argentinien vermengt cineastische Entwicklungen beider Länder zu einem langsamen und unscheinbaren Ergebnis, das durch Ruhe und Details wirkt. Agostina Di Luciano und Leon Schwitter (Sabotage Kollektiv) haben als Regieduo einen ungewohnten Produktionsansatz gewählt, was sich auf der Leinwand zeigt.

Ohne fixes Drehbuch liessen sich die beiden auf die Menschen in Argentinien ein, nahmen eine beobachtende Position ein und suchten Mittel, um die Grenzen zwischen abgebildeter Realität und fiktiver Aspekte verschwimmen zu lassen. Das gelingt durch subtile Entwicklungen und der gewählten Distanz.

Während der gesamten Laufzeit bleibt «El Mundo Al Revés» ein langsamer und unscheinbarer Film, dessen Form an das aktuelle Kino Argentiniens und besonders an Werke wie «Trenque Lauquen» (Laura Citarella, 2023), aber auch an Schweizer Produktionen («Füür Brännt» von Michael Karrer, 2023) erinnert. Die Kraft der erzählten Geschichten und der fantastischen Möglichkeiten lauert hinter den Bildern, Di Luciano und Schwitter lassen diese aber nicht ausbrechen.

Ton- und Bildmischung, Perspektiven und der reduzierte Ansatz machen aus «El Mundo Al Revés» einen minimalistischen Film, der mehr wie ein Gedankenanstoss als fertigerzählte Geschichte wirkt. Wer sich davon nicht enttäuschen lässt, wird angeregt, über die Formen und Möglichkeiten der filmischen Erzählung zu diskutieren.


Mehr Phosphor: Ebenfalls von Leon Schwitter und Sabotage Kollektiv ist der Spielfilm «Réduit».