Kino: La Hija Cóndor

von Michael Bohli • 29.06.2026

Regie: Álvaro Olmos Torrico
Land: Bolivien
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film

Dorf oder Stadt, Vergangenheit oder Zukunft? Mit «La Hija Cóndor» hat Álvaro Olmos Torrico die Spannungen zwischen den Generationen visuell kraftvoll auf die Leinwand gebracht.

Bunte Lichte, lange Nächte in Clubs, erste Annäherungen an das andere Geschlecht und die Freiheit über die eigene Zeit: All das fehlt Clara in dem Dorf, in dem sie mit ihrer Ziehmutter lebt. Die indigene Gemeinschaft im Cochabamba-Tal lebt nach alten Traditionen, patriarchalen Mustern und fernab von urbaner Aufregung.

Als Clara durch ein Radio das Fenster zu den musikalischen Möglichkeiten der Städte öffnet, wird ihr Traum von Leben als Chicha-Sängerin geweckt und gemeinsam mit ihrer Freundin fantasiert sie über Möglichkeiten ausserhalb des arbeitsintensiven Alltags als Geburtenhelferin. Kann sie dem einschnürenden Alltag entkommen?

Álvaro Olmos Torrico hat mit seinem Spielfilm «La Hija Cóndor» eine bekannte Geschichte auf die Leinwand gebracht: Der Konflikt zwischen den Generationen, der jugendliche Drang nach Eigenständigkeit und das Coming of Age. Vor beeindruckender Kulisse Boliviens wird die Frage nach der Berechtigung von Traditionen mit jeder Szene grösser.

Die Geschichte über die Quechua erinnert in Struktur und Perspektive an «City of Wind» von Lkhagvadulam Purev-Ochir aus der Mongolei und schafft es nie wirklich, die gewohnten Arthouse-Drama-Strukturen zu durchbrechen. Auf der audiovisuellen Seite gewinnt «La Hija Cóndor» hingegen mit wunderbaren Aufnahmen aus den Anden, bunten Lichtern und zahlreichen Wechsel der Szenerien.

Álvaro Olmos Torrico gibt Clara und ihrer Mutter gleich viel Raum, zeigt die jeweiligen Gedanken und Lebensweisen und bringt die Geschichte in angemessenem Tempo zum Abschluss. Mitschwingend dabei die Fragen nach der «korrekten» Lebensweise und dem passenden Mass an Individualismus. Diese Inhalte, das gute Schauspiel und die sprachliche Mischung aus Quechua und Spanisch bieten neue Perspektiven aus Südamerika.


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