von Michael Bohli • 01.06.2026
Regie: Koji Fukada
Land: Japan
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film
Die Idol-Karriere als Gefängnis für wahre Gefühle: Im Drama «Love On Trial» untersucht Koji Fukada die Spannungen zwischen Karriere, Privatleben und Kontrolle.
Es ist erstaunlich, wie ruhig Koji Fukadas Film «Love On Trial» wirkt. Der Regisseur hat es geschafft, ein aufreibendes Thema und ein chaotisch schnelles Umfeld mit Nachdenklichkeit und Raum zum Atmen auf die Leinwand zu bringen. Das ist nicht nur ein Gewinn.
Fukada widmet sich der Idol-Kultur in Japan und den damit verknüpften Erwartungen und Gegebenheiten. Ein Thema, das im Kino mit Satoshi Kons Anime «Perfect Blue» abgrundtief düster illustriert und dokumentarisch in «Tokyo Idols» (Kyoko Miyake) untersucht wurde. Stets ist dabei klar, dass unter der bunten Oberfläche ein ausbeuterisches System voller Zwang und Druck steckt.
Mai und ihre Mitstreiterinnen bei Happy Fanfare haben keine Sekunde Ruhe und müssen die perfekte Erscheinung für ihre Fans wahren. Das verunmöglicht es, Beziehungen einzugehen und das Privatleben selbstbestimmt zu gestalten. Als sich Mai in den Strassenkünstler Kei verliebt, werden diese Grundsätze auf die Probe gestellt und ihre Zukunft als Sängerin verunmöglicht.
«Love On Trial» zeigt die Momente zwischen Proberaum, WG-Leben und Touren. Ruhige Situationen, in denen die Charaktere ihre Entscheidungen hinterfragen und verzweifelt nach einer Lösung suchen, das eigene Leben ins Idol-Dasein zu integriert. Mit langsamem Erzähltempo vermag Koji Fukada es sehr gut, die Figuren lebensecht zu gestalten; allerdings fehlt dem Film die Wucht.
Einzelne Szenen sind wunderschön, andere gehen nahe und die gezeigten Verhandlungen vor Gericht sind auf ihre technisch-perfide Weise brutal. «Love On Trial» findet einen Ausweg und ist nicht nur ein Drama über die destruktive, misogyne Idol-Industrie, sondern ein Film mit Hoffnung und Liebe. Das erscheint einfach und träumerisch und lässt die Schärfe oben erwähnter Beispiele vermissen. Richtig gelungen hingegen sind die Ausstattung, die Schnitte und das Spiel.