Kino: Mother – Die Frau hinter der Ikone

von Michael Bohli • 27.01.2026

Regie: Teona Strugar Mitevska
Land: Nordmazedonien
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film

Wie wird eine Frau zur Heiligen? Im Spielfilm «Mother – Die Frau hinter der Ikone» zeichnet Teona Strugar Mitevska die Ikonenwerdung von Mutter Teresa nach – mit überraschenden Stilentscheidungen.

Gott erschuf in sieben Tag alles, was wir uns vorstellen können –zumindest steht es so in der Bibel. Für den Film «Mother – Die Frau hinter der Ikone» hat Regisseurin Teona Strugar Mitevska mehr als eine Woche benötigt: Sie nutzt das Medium gelungen, um die Schöpfungsgeschichte auf das Wirken einer Person umzuformen.

Mit dem Spielfilm aus Nordmazedonien hat Strugar Mitevska ein besonderes Biopic geschaffen, das sich der Heiligwerdung von Mutter Teresa widmet. Gespielt von Noomi Rapace («Lamb», «Prometheus», «Verblendung») begleiten wir die Schwester in ihrem Alltag in Kalkutta 1948. Eine Existenz im Spannungsfeld von Glauben, Armut und Strenge; ein Chaos aus Hoffnung auf den eigenen Orden und die harsche Realität voller Schmerz und Mangel.

«Mother» ist keine typische Nacherzählung der Biografie, einzelne Momente werden mit dem gitarrenlastigen Soundtrack (inklusive eines sehr durchgeknallten Needle-Drop) und riesigen Texteinblendungen durchgerüttelt. Damit eckt der Film an, entfernt sich von der religiösen Strenge und sucht den Menschen hinter der Ikone. Zugleich wirkt das Geschehen distanziert und verzettelt.

Einen Spannungsbogen bringt Teona Strugar Mitevska nicht zustande, trotz überzeugender Optik und guter Besetzung. «Mother» wirbelt im Strassenstaub existenzialistische Fragen und missionarische Zwänge auf, der feministische Ansatz wirkt unausgegoren. Bei den Filmen «God Exists, Her Name Is Petrunya» und «The Happiest Man in the World» gelang die Melange aus religiöser Dekonstruktion und Analyse von Frauenfiguren im patriarchalen System stimmungsvoller.

Was bleibt ist ein ungewohnter Einblick in eine aussergewöhnliche Biografie, ohne die Person hinter den Begriffen und Mythen wirklich greifbar zu machen. Anna Calvi im Abspann singen zu lassen, war aber eine sehr gute Entscheidung.


Mehr Phosphor: Wir haben eine Kritik zu «The Happiest Man in the World» veröffentlicht.