von Michael Bohli • 18.05.2026
Regie: Annemarie Jacir
Land: Palästina
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film
Der neuste Spielfilm von Annemarie Jacir zeigt einen Teil der palästinensischen Geschichte als historisches Epos. «Palestine 36» ist eindringlich, wichtig und gross.
Seit die Briten die Region im ersten Weltkrieg erobert haben, ist das palästinensische Volk der Mandatsregierung unterworfen und muss sich den unterdrückenden Vorgaben beugen. Als in den Dreissigerjahren die Spannungen in Europa zunehmen und die Juden vertrieben werden, beginnt die zionistische Einwanderung ohne Rücksicht auf Bauern und Gegebenheiten.
Die Lage spitzt sich zu, bis 1936 der palästinensische Widerstand entfacht wird und eine Entwicklung in Bewegung setzt, die bis heute prägend ist. In diesen Überlebenskampf werden auch der Dorfbewohner Yusuf und Reporterin Khouloud verwickelt, eine Zeit der gnadenlosen Gewalt ohne Aussicht auf Gerechtigkeit beginnt.
Nach mehreren feinfühligen und charakterbezogenen Spielfilmen («Wajib», «Salt of This Sea») kehrt Regisseurin Annemarie Jacir mit einem epischen Werk in die Kinosäle zurück. «Palestine 36» ist ein historisches Drama, das komplett in Palästina gedreht wurde und den Wendepunkt der Geschichte aus selten erlebter Perspektive schildert.
Zahlreiche Figuren in starker Besetzung (Saleh Bakri, Hiam Abbass und Yasmine Al Massri zum Beispiel) bevölkern den Film und bieten Einblicke in das Dorf- und Stadtleben und in die damals herrschenden Klassen. Dadurch wird die zionistische Behauptung des leeren Lands entlarvt und mit eingestreuten Originalaufnahmen wird der Film in der damaligen Zeit fest verankert.
Episodisch begleiten wir die Charaktere durch die Jahre und den Aufstand, festgehalten in beeindruckenden Bildern und mit der eindringlichen Musik von Ben Frost hinterlegt. «Palestine 36» ist ein grosser Film, voller Drama, Leid und Gewalt. Ein berührendes Werk, das starke Emotionen auslöst und den heutigen Genozid im Gazastreifen mit der Vergangenheit verbindet.
Annemarie Jacir hat kein biederes Lehrstück gedreht, sondern eine kontinentenübergreifende Produktion auf die Beine gestellt, welche die Geschichte des Kolonialismus und der Unterdrückung wuchtig auf die Leinwand bringt. Free Palestine!
Mehr Phosphor: Mohammad Rasoulof hat mit «The Seed of the Sacred Fig» den Widerstand im Iran ins Kino gebracht.