Kino: Play with the Devil

von Michael Bohli • 29.04.2023

Regie: Olivier Joliat, Matthias Willi
Land: Schweiz
Jahr: 2023
Verleih: Filmbringer

Mit dem Dokumentarfilm «Play with the Devil – Becoming Zeal & Ardor» zeigen Olivier Joliat und Matthias Willi die Entstehungsgeschichte des unwahrscheinlichen Musikprojekts von Manuel Gagneux aus Basel.

In der Musik von Zeal & Ardor leben zwei Seelen. Die nihilistische Destruktion von Black Metal und die auflehnende, selbstermächtigende Sklavenmusik der afroamerikanischen Bevölkerung. Ein Ringen um eine bessere Welt ohne Unterdrückung, voller lauter Klänge und Geschrei. Das Kräftemessen verspürte ich beim Kinobesuch nicht nur seitens der Musik, sondern auch betreffend die Herangehensweise der Dokumentation.

Unbeabsichtigt fanden sich Olivier Joliat und Matthias Willi inmitten des Sturms wieder, den Manuel Gagneux mit seinem Projekt 2017 ausgelöst hatte. Aus der ursprünglichen Idee, welche zur persönlichen Herausforderung und Belustigung entstanden ist, wuchs ein internationales Phänomen. Der Einzelkünstler wurde zur Band, diese wurde zu einem weltweit tourenden Koloss. Zeal & Ardor begeistern weiterhin die Massen auf der gesamten Welt – doch der Weg dahin war nicht nur einfach.

Das zeigt der Film der beiden Regisseure anhand ungeschönter Aussagen in Interviews und den orientierungslosen Momenten zwischen Konzerteuphorie und Veröffentlichungsruhm. Was ist die Aussage hinter diesem Zusammenschluss komplexer Welten? Wie weit darf Humor und unpolitische Kunst gehen? Wie viel hat man als Musiker auszusagen?




Die Freude am Erfolg der selbstproduzierten Musik ist zu Beginn von «Play with the Devil» stark zu spüren, wie die Musiker:innen ist man nervös und hofft auf gutes Konzertgelingen. Dann allerdings gelingt es den Regisseuren nicht mehr, die Bandgeschichte mit genügend Tiefe zu behandeln.

Nebst fehlenden Texteinblendungen zu den Interviewpartner:innen und Passagen, die wie eine Clipshow aus dem Internet wirken, wird selten nachgefragt. Sorgen, problematische Situationen und politische Aspekte bleiben oft aussen vor, dazu gesellt sich die etwas unsichere Kameraarbeit. Wer sich in der heimischen Musikszene nicht auskennt, oder nichts von Zeal & Ardor weiss, dem/der fehlen die Leitplanken.

Es macht Spass, dem Treiben beizuwohnen, die Musik von Gagneux ist grossartig und erhält im Kinosaal das notwendige Gewicht, die Geschichte wirkt weiterhin wie ein Märchen. Trotzdem, «Play with the Devil» wirkt eher wie eine Bonus-DVD für die Limited Edition des aktuellen Albums «Zeal & Ardor», als eine Dokumentation mit Mehrwert.