Kino: Promis le ciel

von Michael Bohli • 18.02.2026

Regie: Erige Sehiri
Land: Tunesien
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film

Weibliche Schicksale in der Migration: Erige Sehiri beleuchtet im Spielfilm «Promis le ciel» die Suche nach Zugehörigkeit und Sicherheit in Tunesien.

Mit ihrem Spielfilmdebüt «Under the Fig Trees» schaffte es Erige Sehiri, die gesamte Gesellschaft Tunesiens, mit all ihren Schichten und Problemen konzentriert im Feigenhain darzustellen. Bei «Promis le ciel» öffnet sie den Raum und fokussiert sich auf das Thema afrikanischer Migrantinnen.

Wir folgen den Frauen Marie, Naney und Jolie, die ohne Aufenthaltsbewilligung ihren Alltag in der Stadt Tunis zu bewerkstelligen versuchen. Das gelingt über längere Zeit, mit abgehaltenen Messen in der Kirche, einem Studienplatz und kleinen Nebengeschäften in der Diaspora. Als ein schiffbrüchiges Mädchen bei den Frauen landet und die tunesische Regierung den Druck gegenüber Migrant:innen erhöht, wird es für die Ivorerinnen gefährlich.

Der Film könnte sich als Migrationsdrama zwischen den zahlreichen Arthouse-Produktionen Europas einreihen, dank dem Fokus auf die weibliche Sicht und der damit verbundenen Abkehr von vielgezeigten Schicksalen gelingt es Erige Sehiri, mit «Promis le ciel» einen emotionalen und intelligenten Denkanstoss zu liefern. Welche Welt erschaffen wir und welchen Platz erhalten Tinfa*-Personen?

Das packende Spiel der Hauptdarstellerinnen, die farbenfrohen Aufnahmen und die gezeigte Resilienz der Figuren gehen nahe. «Promis le ciel» sucht keine simplen Lösungen oder ein Happy End, vielmehr nutzt Regisseurin Sehiri die Produktion für die selten gezeigte Hürden der Migrationsbewegungen innerhalb des Kontinents. Wo sind wir Menschen gleich, wo ziehen wir unsere erfundenen Grenzen?

Eine geniale Verdichtung dieser Fragen gelingt dem Film bei einer kleinen Szene zwischen Marie und ihrem Vermieter in Tunis: Während sie einen Kuchen bäckt, fragt dieser, ob es ein afrikanischer Kuchen werde. Wer ist Afrika, was ist Afrika? In dieser Kleinigkeit zeigen sich die tiefen Gräben der Sichtweisen.


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