Kino: Ruäch – Eine Reise ins jenische Europa

von Cornelia Hüsser • 14.09.2023

Regie: Andreas Müller • Simon Guy Fässler • Marcel Bächtiger
Land: Schweiz
Jahr: 2023
Verleih: Frenetic Films

Es ist ein Film über Menschen, die eigentlich lieber im Verborgenen bleiben: «Ruäch» zeichnet die Reise dreier Filmemacher nach, die sich auf einen Streifzug durch das jenische Europa begeben – und dabei berührenden Geschichten begegnen.

Etwa eine halbe Million Jenische lebt heute in Europa – die meisten von ihnen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Für die Mehrheitsgesellschaft bleiben sie grösstenteils unsichtbar, versuchen, eine eigene Kultur und eine eigene Lebensweise zu bewahren. Mit der Unterstützung eines jenischen Freundes haben sich die Regisseure Andreas Müller, Simon Guy Fässler und Marcel Bächtiger auf die Suche nach Einblicken gemacht.




So begegnen sie Lisbeth, einer Frau, die ein Garant für gute Sprüche ist. Aufgewachsen im Albulatal, erzählt sie vom berüchtigten «Hilfswerk» der Pro Juventute, das damals Kinder entführt und fremdplatziert hatte. Sie selbst wurde bei einem Arztbesuch ohne ihr Wissen sterilisiert. Da ist Isabelle, die sich in Annemasse seit Jahrzehnten gegen die Stadtverwaltung wehrt und später einen persönlichen Schicksalsschlag erleidet; oder Manuel, der mit seiner Familie in Kärnten lebt und seinen Kindern das Wissen der Jenischen weitergibt. Es sind diese Porträts, die deutlich machen, weshalb die Jenischen unter sich bleiben. Ihre Geschichte ist die Geschichte einer langen Diskriminierung, die viel zu wenig im kollektiven Bewusstsein verankert ist.

Diese steht allerdings nicht im Zentrum des Films. Den roten Faden bildet vielmehr die eigene Reise der Regisseure durch Frankreich, die Schweiz und Österreich. Sie stellen die Menschen, denen sie begegnen, und deren Gegenwart ins Zentrum. Die gesammelten Szenen wurden, lose chronologisch zusammengeschnitten, zu einem Ganzen verwebt. Das mag über eine Laufzeit von gut zwei Stunden manchmal etwas unfokussiert wirken und mehr Tiefe vermissen. Aber drei Ruäche, die sich während sieben Jahren den Jenischen annähern – das ist schon was.