Kino: The Curse

von Michael Bohli • 12.05.2023

Regie: Maria Kaur Bedi · Satindar Singh Bedi
Land: Schweiz
Jahr: 2022
Verleih: Vinca Film

Mit ihrer schonungslos ehrlichen Dokumentation «The Curse» zeigt das Paar Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi die destruktive Kraft von Alkohol. Ein experimenteller und mutiger Film.

Nur noch ein Glas, eine Flasche, eine Nacht. Zu gut kenne ich die Verlockungen von Alkohol, aus meiner Sicht die Volksdroge Nummer eins der Schweiz. Nach diversen Jahren starken Konsums entschied ich mich diesen Januar, komplett auf alkoholische Getränke zu verzichten – auf unbestimmte Zeit. Ein Wandel, der sich sehr gut anfühlt und nebst einigen fragenden Blicken und unverständlichen Kommentaren in meinem Umfeld nur Positivität mit sich zieht. Für Satindar Singh Bedi war der Verzicht kein so leichter Schritt, davon erzählt der Dokumentarfilm «The Curse».

Maria Kaur Bedi hat die furchtlose Dokumentation initiiert, die von der Liebe zwischen den beiden erzählt, vom Zusammenleben und dem Dämon der Sucht. Nach dem Kennenlernen an einer Masterclass am Zurich Film Festival war es klar, hier entwickelt sich eine intensive und grosse Liebesbeziehung. Doch mit jedem Jahr offenbaren sich Trauma und Abgründe stärker, gemeinsam mit Maria und Satindar wagt man sich in diese Dunkelheit.




Der Film, welcher in seiner formalen Weise zwischen Erzählung, Experiment und Essay liegt, ist einzigartig und nicht immer einfach zu erfassen. Wenn «The Curse» die Kindheit von Satindar darlegt, sein Kampf mit der Alkoholsucht, gibt es direkte und unbarmherzige Aussagen, eine laute Tonspur und beängstigende Bilder.

Grobe Auflösung, Farb- und Lichtspielereien, wiederholende Passagen: Klarheit und Stringenz zeigen sich selten in der Bildsprache von «The Curse». Viele Momente erinnern an Animationsfilme, die im Kurzfilmprogramm des Fantoche Festivals in Baden gezeigt werden. Die Motive regen zu Deutungen an, die Gedanken der Zuschauer:innen formen eigene Zusammenhänge und Erinnerungen.

Atemlos bleibt man zurück, wenn die Reise durch Indien und die Schweiz beendet ist. Der Kampf zwischen Ordnung und Todessehnsucht, das Ringen von Alkohol und Klarheit, die Fragen zu Zusammenleben und Verzicht; und die Wurzeln der Kreativität werden in einem ungewohnten und faszinierenden Strudel an Aufnahmen dargeboten. Eine autobiografische und mutige Produktion.