Kino: Where the Wind Comes From

von Michael Bohli • 02.09.2025

Regie: Amel Guellaty
Land: Tunesien
Jahr: 2025
Verleih: trigon-film

Ein Roadtrip in die Freiheit, voller Farben und Sounds: Das bietet der tunesische Spielfilm «Where the Wind Comes From» von Amel Guellaty.

Irgendwann im Leben kommt der Moment, wo wir uns eingeengt fühlen und uns keine Zukunft vorstellen können. So geht es Alyssa und Mehdi, die trotz ihrer gegensätzlichen Art seit Kindheit eine tiefe Freundschaft verbindet. Das Leben in Tunesien bietet keine Perspektiven, Eltern, Politik und Gesellschaft verhindern kreative Entfaltung und Selbstverwirklichung.

Ein Kunstwettbewerb scheint den Ausweg via Deutschland zu bieten. Mehdis Bild wird in die Auswahl aufgenommen, jetzt muss das ernüchterte Duo nur nach Djerba gelangen. Ein Roadtrip in die Ungewissheit; bunte Fantasien, Autoklau, Partys und brodelnde Gefühle inklusive.

«Where the Wind Comes From» ist ein erstaunlich leichtfüssiger Film, Amel Guellaty lässt die Sorgen und Unsicherheiten der jungen Generation Tunesiens in Humor und märchenhaften Situationen aufgehen. Das liegt vor allem an der grossartigen Hauptdarstellerin Eya Bellagha, die stilbewusst und sympathisch auftritt und deren Vorstellungen animiert in den Film integriert wurden.

Allgemein sind die Bildkomposition und die verwendeten Farben eine Pracht, die Kraft der Fantasie wird durch die Ausstattung verstärkt und die Imagination zum Antrieb. Da stört es nicht, dass das Drehbuch den üblichen Arthouse-Schritten folgt und vorhersehbar wirkt.

Sanft streift Amel Guellaty mit ihrem Drama-Debüt Brennpunkte wie Misogynie, Patriarchat, Korruption und Migration, serviert dazu packende Songs und jugendliche Dringlichkeit. Für mehr Buntheit und Entfaltung.


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