Stream: Globi und der Schattenräuber

von Cornelia Hüsser • 27.10.2023

Regie: Robi Engler
Land: Schweiz • Deutschland • Luxemburg
Jahr: 2003
Verleih: Fama Film

Vor genau 20 Jahren war für die kleine Schweiz Grosses vorgesehen: Ihre erfolgreichste Kinderbuchfigur Globi sollte die Kinosäle des Landes an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Ein Kassenschlager wurde der Animationsfilm «Globi und der Schattenräuber» trotz aller Bemühungen nicht. Woran das liegen mochte? Phosphor wagte den Selbstversuch.

Dass es hierzulande Menschen gibt, die Globi nicht kennen, darf bezweifelt werden. Der Vollständigkeit halber folgen in diesem Absatz dennoch einige (Fun?) Facts über den blauen Vogel – wer schon einmal im Buchhandel oder beim Warenhaus Globus gearbeitet hat, darf gerne überspringen. Letzteres hat die Erschaffung der Figur nämlich zu verantworten: 1932 als Werbemaskottchen konzipiert, erschienen bis heute beinahe 100 Bücher mit Globis Abenteuern. Manchmal auch zweifelhaften.

Was vielen der Geschichten gemeinsam ist, ist die Einbettung in das aktuelle gesellschaftliche Geschehen. Und hier lässt sich auch «Globi und der Schattenräuber» nicht lumpen. Geradezu futuristisch mutet der Einstieg an, in dem Globi in seinem Virtual-Reality-Ei sitzt und verzweifelt versucht, in einem konfusen Computergame endlich über Level 3 hinauszukommen. (Diese Szene hat im Folgenden keinerlei Bedeutung mehr.) Derart eingestimmt lässt sich nun der Plot etablieren. Und der ist … nun, gar nicht mal so gut.




Kurz: Ein Trommler erlebt an irgendeiner Parade einen kleinen Meltdown. Fortan stiehlt er auf der ganzen Welt Musiker:innen die Schatten, um mit ihnen die beste Band der Welt anzuführen. Weil ihm noch ein passabler Gitarrist fehlt (er hat nur Jimi Hendrix), trifft es auch den Teenager Benji. Also, who you gonna call? Globi.

Das Ganze kommt in etwa so wirr daher, wie es klingt. Unter Zuhilfenahme eines fliegenden Autos, eines Roboter-Eis mit Nuggi sowie seiner detektivischen Fähigkeiten versucht Globi, den Bösewicht aufzuhalten. Frei nach dem Motto: Alles geht, nichts macht Sinn, himmelgrüene Glögglischnabel.

Gehalten ist das Machwerk in einem «modernen» Anime-Look, was sich genauso falsch anfühlt, wie überhaupt einen Papagei mit Händen und karierter Hose auszustatten. Für eine Auflockerung der Stimmung sorgt ein Haufen Rattenwitze (Ratten? Weshalb Ratten? Ja, das müsst ihr jetzt selber herausfinden). Und natürlich das einzige, was an diesem Film je Erfolg hatte: der Song, der Lunik in die Ohren ausnahmslos aller Radiohörer:innen der Schweiz katapultierte. Fünfmal täglich.

Pünktlich zum Jubiläum ist «Globi und der Schattenräuber» gratis auf PlaySuisse zu sehen. Trotz aller Hürden können wir den Filmgenuss nur wärmstens empfehlen – am besten in guter Gesellschaft. Geteiltes Leid ist halbes Leid, und der Verzweiflung mit Humor zu begegnen, war schon immer eine bewährte Strategie.

PS: Wer sich den Ohrwurm schon vor dem Film abholen möchte, bitteschön: