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Auswahl 25 in Aarau

von Michael Bohli • 09.01.2026

Ein neues Kunstjahr beginnt, im Aargauer Kunsthaus wird mit «Auswahl 25» ein Überblick der kantonalen Kunstschaffenden geboten – voller Spannungsfelder und Überraschungen.

Lässt sich bei Kunst eine Übersicht schaffen? Ist das Kreativfeld nicht zu vielseitig und divers, um als Gesamtheit in einem Museum unterzubringen? Bestimmt, trotzdem ist die jährliche Schau im Aargauer Kunsthaus als Verdichtung des Aargauer Schaffens ein Fixpunkt im Kalender.

Der Einstieg in die «Auswahl 25» stellte sich sperriger heraus als in den vorangegangenen Jahren. Viele der 50 präsentierte Werke sind in ihrer Reduktion und Verdichtung nicht auf den ersten Blick zu erfassen, Leerstellen werden in Aarau gefördert und genutzt. Das ist positiv fordernd mit Spannungsfeldern und Überraschungen.

Silvia Bächlis fünfteilige Arbeit «Watt – what» funktioniert als Ruhepol sehr gut, eine Grundhaltung, die auch in der Installation «Infrastrukturen» von Eva Maria Gisler wiederzufinden ist. Karg gehaltene Materialen in neuer Verbindung, ein Erfassen des Raums mit fragilen Konstruktionen. Das Duo Lorenz Bachofner Bošković und Vincent Scarth nutzte Humor für die Einbindung des Gebäudes und bedeckte den Boden mit Krähenkot.

Viele der in Aarau gezeigten Arbeiten bleiben ernst und nachdenklich, fördern dabei im Innenleben der Besucher:innen neue Erkenntnisse. «Besuchen gehen» von Lea Schaffner gelingt das mit einer dokumentarischen Videoarbeit, elegant im Raum aufgebaut und von einem Transkript begleitet. Oder Johanna Bossart, welche mit «Gotte Lottes Silberlöffel» Veränderung, Vergänglichkeit und Erbe anspricht.

In die dunklen Gebiete der Emotionen bewegt sich die Zofinger Malerin Christina Gähler mit «kein Auge zu», kleinformatige Bilder voller Schemen, Schichten und Intensität. Inhaltlich ähnlich aber von der Herangehensweise konträr zeigt sich Isabelle Morton mit «Insider 1» – eine gedruckte Sprüharbeit auf Papier.

 

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Durchsichtig aus Glas und trotzdem nicht zu übersehen sind die drei Objekte von Evelyn Vonesch: «Ein-Lass-Aus-Los» sinniert über zurückgehaltene Tränen und Emotionen, über das Verstecken des Innenlebens. Eine Arbeit, die viele Momente in der «Auswahl 25» akzentuiert und den Besuch im Nachklingen unterstützt.

Voller Töne und Sounds ist der Beitrag der Gastkünstlerin Angela Anzi, die das Kunsthaus mit Objekten musizieren lässt und mythologische Erzählungen darin verflechtet. Der Aufenthalt im Raum von «Poisonous Potentials» ist berauschend, der Blick durch die Decke reicht weit in das kommende Kunstjahr hinein.


Mehr Phosphor: Vor zwei Jahren haben wir die «Auswahl 23» besucht.

Auswahl 25

Ort:
Aargauer Kunsthaus, Aarau

Datum:
29.11.2025 bis 18.01.2026

Website:
aargauerkunsthaus.ch

Titelfoto: René Rötheli, Baden

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