von Michael Bohli • 20.03.2026
Die Papierarbeiten von Nicolas Bernière, Ursula Rutishauser und Bruno Weber verwandeln das Kunsthaus Zofingen während der Ausstellung «Cut It!» in eine Welt voller Wunder.
Papier ist etwas Schönes: Bücher, Zeitungen, Liebesbotschaften, Zeichnungen, Briefe – für jede Situation gibt es eine Verwendung. In der Kunstwelt wird das Material meist als Träger verwendet, oder in wilden Installationen. In der Ausstellung «Cut it!» hat beides und mehr Platz.
Die Arbeiten der drei Künstler:innen Nicolas Bernière, Ursula Rutishauser und Bruno Weber sind so vielseitig, wie die jeweiligen Perspektiven auf das Leben. Erfahrungen und Gedanken der Personen findet sich in den Werken wieder, die niemals gewöhnlich wirken. Besonders die Räume, welche Bernière im Erdgeschoss geschaffen hat, sind voller Wunder.
Ob Spielzeugfabrik, Wald oder Bibliothek, alles wurde aus Kartonverpackungen geschnitten und vom Künstler transformiert. In den nachgebildeten Gegenständen und Tieren treffen Zeitebenen, Fantasie und Wirklichkeit aufeinander. Das lässt Staunen, das ist ein Abbild von Bernières Interessen und zugleich ein Kommentar auf unser Konsumverhalten.
Ein Spiel mit der Wahrnehmung gelingt auch Bruno Weber in seinen Papierschnitten. Was zuerst als traditionelle Arbeiten mit biederer Herkunft abgetan werden könnte, zeigt sich bei längerer Betrachtung als Bruch mit den Gewohnheiten der Kunstrichtung und voller direkter Aussagen zu unserer Gesellschaft.
Nebst Märchen und hoffnungsvollen Einzelbildern finden sich in den kontraststarken Werken eine Herangehensweise, die perspektivische Versuche zulässt, Symmetrien aufbricht und grosse Fragen stellt. Weber beschränkt sich zudem nicht nur auf Papier, sondern hat seine Arbeitsweise ins plastische überführt.
Auf zwei Dimensionen reduzierte Ursula Rutishauser im Obergeschoss des Kunsthauses eine komplette Gesellschaft am grossen Esstisch. Auf Papier gedruckte Mahlzeiten, bis auf die Hände entfernte Jazzmusiker und festgehaltene Szenen; in den Leerstellen und Lücken steckt die Wahrheit. Ein Umstand, der bei der nicht abgeschlossenen Arbeit «Respekt» zum Tragen kommt.
Die Künstlerin hat Kleider von Frauen aus ihrem Umfeld in feinster Arbeit nachgeschnitten und die Personen verewigt. Das Küchentuch kommentiert die weiblichen Rollenbilder, im Saal herrscht eine andächtige Stimmung, zeitweise durchbrochen von erklingender Musik. Die Gedanken kreisen dazu, die drei künstlerischen Positionen im Haus begeistern.