von Michael Bohli und Cornelia Hüsser • 22.09.2025
Ende Monat erscheint mit «Letters to the Abyss» das Debütalbum der Metalcore-Band Acheron River aus Zofingen. Wir haben die Jungs in ihrem Bandraum besucht und über die Songs, flashy Shows und Inspiration gesprochen.
Das Treffen fand in einem ehemaligen Luftschutzraum in den Aussenbezirken von Zofingen statt, wie könnte es anders sein. In dieser Umgebung hinter dicken Betonwänden ist es für Bands möglich, laut zu sein und an ihren Songs zu arbeiten und genau das machen Acheron River.
Das Quintett steht kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums «Letters to the Abyss» und setzt damit ein beeindruckendes Zeichen im Schweizer Metalcore.
Wir haben uns hingesetzt und mit Jeffy (Gitarre und Gesang), Kevin (Bass), Matt (Vocals, Produktion), Migu (Schlagzeug) und Lukas (Gitarre und Produktion) gesprochen.
Phosphor: Seid ihr diesen Sommer in vielen Flüssen geschwommen?
Jeffy: Im Fluss der Arbeit, da ich keine Ferien hatte.
Migu: Ich war im Meer.
Matt: Für einen Fluss hat es bei mir auch nicht gereicht.
Lukas: Mir auch nicht.
Kevin: Weiter als ins Tessin bin ich nicht gekommen.
Acheron ist der Leidensfluss in der griechischen Mythologie, wie geht es euch?
Jeffy: Kritisch, aber gut. Man schlägt sich durch, aber auch Negatives ist gutes Material, um neue Songtexte zu schreiben. Man kann die Negativität im Leben in etwas Positives umwandeln. Viele Inhalte sind allerdings aufgrund einer Fabel und anderen Einflüsse entstanden, zum Glück basiert nicht alles auf selbst erlebten Situationen.
Matt: Ich glaube jeder hat seine Probleme, aber wir überstehen das. Es ist auch eine künstlerische Freiheit, die man sich nimmt.
Eure Band gibt es seit Anfang 2024, wie kam es dazu?
Jeffy: Der erste Gedanke entstand Anfang 2023. Ich habe damals wieder vermehrt Konzerte besucht und gemerkt, dass ich unbedingt wieder selbst auf der Bühne stehen und diesen Nervenkitzel erleben möchte. Ich war früher viel alleine mit der Gitarre unterwegs, das hat mir gefehlt.
Zu der Zeit habe ich oft mit Lukas gejammt, also wollten wir es mit einer Band versuchen. Wir haben ein paar Leute gesucht und hatten eine gute Zeit, aber konnten uns nicht auf einen Stil einigen. Einer nach dem anderen ist gegangen, am Schluss waren es wieder Lukas und ich – was aber auch gut ist.
Matt: Sie hatten ihren Bandraum neben dem meiner damaligen Band. Eines Tages ist Jeffy reingeplatzt und meinte, falls ich mal keinen Bock mehr hätte, könnte ich auch zu ihnen kommen. Und da auch bei meiner Band unterschiedliche Vorstellungen aufeinanderprallten, ist es tatsächlich so gekommen.
Jeffy: Dann haben wir Migu fürs Schlagzeug gefunden und später dank Luki dann Kevin am Bass.
Ihr seid jetzt seit anderthalb Jahren in dieser Konstellation. Wohin treibt euch der Fluss?
Kevin: Am besten Richtung Wacken! (lacht) Nein, im Ernst, wir wollen schon etwas reissen. Oder wie seht ihr das?
Matt: Das ist auf jeden Fall meine Intention. Für mich ist es zwar egal, ob viele Leute unsere Musik hören – Hauptsache, wir kreieren etwas, hinter dem wir stehen können. Ich habe Bock, live zu spielen, am liebsten auch einmal an einem grossen Festival.
Jeffy: Was man erreichen kann, liegt nicht zuletzt auch in der Hand des Publikums. Wir haben aber sicher eine Idee, wohin wir in den nächsten Jahren wollen.
Migu: Mein Traum ist es, auf Tour zu gehen. Das wird sicher anstrengend, aber man nimmt viele Eindrücke mit.
«Letters to the Abyss» ist euer erstes Album und klingt grossartig. Wie habt ihr es aufgenommen und produziert?
Kevin: Vieles war Eigenregie und hat mit einem kleinen Jam im Bandraum oder beim Riffen zu Hause begonnen. Wir haben uns Material hin- und hergeschickt, Texte dazu geschrieben und die Songs zusammen ausgearbeitet.
Matt: Die Aufnahmen haben wir im Bandraum oder Homestudio gemacht, und die Produktion fand auf grösstenteils meinem Arbeitsweg mit einem Macbook und Airpods Pro statt. Es steckt aber echt viel Aufwand dahinter, man muss sich extrem viel Wissen in den Bereichen Aufnahme und Produktion aneignen.
Im Song «War is Hell» habt ihr Sprachsamples verwendet. Wie wichtig sind euch Inhalte, die aktuell sind oder politische Themen betreffen?
Matt: «War is Hell» ist das Interlude zum Song «Daydream», welcher ein politisch bezogenes Thema enthält. Es ist schlimm, was in letzter Zeit alles auf dieser Welt passiert. Aktuelle Inhalte sind für uns persönlich wichtig, sind jetzt jedoch nicht explizit Inhalt dieses Songs. Es kann nicht sein, dass wenige Tyrannen diese Welt zerstören und andere Menschen leiden müssen, egal welche Beweggründe sie haben mögen. Ausserdem finden wir, dass es niemand verdient hat, dass eine Person über ein Volk entscheidet.
Der Song «Pour Decision» erinnert mich mit den zwei Stimmen an System Of A Down. Welche Einflüsse hattet ihr für das Album?
Jeffy: Bei diesem Song hatte ich aus Spass gesagt, dass etwas mit Klangnähe zum Orient im Chorus geil wäre, daraus hat es sich entwickelt. Ich liebe Harmonien im Gesang, Bands wie Bad Omens oder I Prevail sind grosse Vorbilder.
Matt: Gesang ist ein schwieriges Thema, weil wir alle unterschiedliche Musik hören. Jeffy kommt vom Pop, ich höre Metal- und Deathcore, oder Drum’n’Bass. (lacht) Meine Vocals versuche ich teilweise an Muse anzulehnen.
Eure Songs heissen «Slasher’s Dream» oder «After Dark». Seid ihr auch von Horrorfilmen inspiriert?
Lukas: Der «Slasher’s Dream» ist eine Hommage an Ice Nine Kills, die auch viele Horrorfilme thematisieren.
Kevin: Die Musik von «After Dark» hat mich gut getriggert, ich musste unbedingt einen Text dazu schreiben, welchen wir dann gemeinsam fertig gestellt haben. Es geht mehr darum, Negatives wieder in etwas Positives zu verwandeln. Der Song war für mich zugleich der Einstieg in die Welt des Metalcore, was zuerst schon sehr anders war als meine Hörgewohnheiten mit Iron Maiden und Hard Rock. (lacht)
Ihr habt verschiedene Logo-Varianten. Wie wichtig ist euch der optische Auftritt?
Kevin: Da legen wir sehr viel Wert darauf, sei es bei Konzerten oder in der visuellen Gestaltung der einzelnen Elemente.
Matt: Darum haben wir zum Beispiel eigenes Licht. Wir wollen, dass die Leute bei unseren Liveshows geflasht sind.
Kevin: Oder blind. (lacht)
Jeffy: Besonders auf Social Media ist es schwierig, sich von der Masse abzuheben. Ich finde, wir kompensieren das mit viel Flashiness und Authentizität.
Im Dezember geht es für euch los mit Liveshows, und zwar in Sursee. Seid ihr bereit?
Alle: Auf jeden Fall!
Jeffy: Wir müssen noch viel arbeiten, aber man kann nie früh genug bereit sein.
Matt: Würden wir für morgen angefragt werden, wäre ich ready.
Wir befinden uns in eurem Bandraum. Wie ist er organisiert, und was muss immer vorhanden sein?
Jeffy: Für gewisse Leute sicher Bier.
Migu: Die Motivation von allen.
Jeffy: Strom.
Matt: Unsere Mitglieder.
Kevin: Eine Kaffemaschine wäre noch gut.
Was ist verboten?
Matt: Rauchen.
Jeffy: Wir haben gerade neue Regeln aufgestellt. Während der Bandprobe arbeiten wir konzentriert, für Offtopic ist danach Zeit. Wir wollen die Zeit hier möglichst gut nutzen.
Wir bedanken uns für eure Gesprächszeit und freuen uns auf kommende Konzerte.
Matt mag es, Conventions wie die Fantasy Basel oder die ZURICH POP CON zu besuchen und die lokalen Künstler:innen in der Artist Alley zu entdecken.
Zudem ist er ein Fan von Horror- und Vampir-Manga, wie etwa den Werken Junji Itos oder der Reihe «Momo The Blood Taker».
Luki mag die Kunst und das Museum von HR Giger und Switzerland’s finest heavy Music: Paleface.
Migu besucht gerne das Wyssrüti Festival, das auf einem kleinen Bauernhof stattfindet und Kevin ist gerne an Konzerten in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln.
Über Acheron River:
Die 2024 gegründete Metalcore / Post-Hardcore Band aus Zofingen veröffentlicht im September 2025 ihr Debütalbum «Letters to the Abyss» und spricht damit Themen an, die in der Gesellschaft zu wenige angesprochen werden. Mit ihrer Musik zeigt das Quintett Emotionen und bringt Ordnung ins Gefühlschaos.