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Die grosse Wiedereröffnung des Why Not in Zofingen

von Michael Bohli • 07.11.2025

Es gibt wieder Musik auf Vinyl in Zofingen: Der legendäre Plattenladen Why Not wurde unter neuer Leitung wiedereröffnet. Wir haben das Re-Opening besucht und mit den Initianten gesprochen.

Wer Zofingen einmal besucht hat, ist bestimmt am Geschäft Why Not in der Vorderen Hauptgasse vorbeigekommen. Seit 47 Jahren werden in diesem Lokal Schallplatten verkauft, die letzten 42 Jahren unter der Leitung von René «Zobi» Zobrist. Viele Scheiben unserer privaten Sammlung stammen von hier, viele Stunden wurden zu Musik, Getränke und Gespräche am Tresen verbracht.

Am ersten November begann eine neue Ära im Why Not, vier Vinyl-Liebhaber sind die Nachfolge von Zobi angetreten und haben das Geschäft mit kleinen Umbauten aufgefrischt. Daniel «Wintzi» Wintzer, Urs «Döbi» Döbeli, Michael von Holzen und Ronnie Van Vliet führen das Geschäft zusammen mit ihrem ersten Angestellten Alex Schmid in weitere Abenteuer voller Songs und Leidenschaft.

Wir haben am Tag der Wiedereröffnung mit den vier Geschäftsführern und Inhabern der GmbH über den Plattenladen, physische Musik und neue Ideen gesprochen.

Phosphor: Erzählt zum Einstieg gerne, wer ihr seid und was ihr im Why Not macht.

Döbi: Ich bin Döbi und stehe donnerstags und freitags im Laden. Zudem bin ich für das Backoffice und die Buchhaltung zuständig.

Wintzi: Ich bin Wintzi und arbeite am Samstag im Verkauf.

Michael: Mein Name ist Michael und ich werde mich am Samstag mit Wintzi und Alex am Verkaufstresen abwechseln.

Ronnie: Ich bin Ronnie und für die Website und die Second-Hand- und Sammlungs-Einkäufe zuständig.

Welche Platte werdet ihr euch anhören, wenn ihr nach dem heutigen Eröffnungstag nach Hause kommt?

Ronnie: Wäre unsere Eröffnung schlecht gelaufen, hätte ich mir «The End» von The Doors angehört. Jetzt aber wird es «The Shape Of Punk To Come» von Refused.

Döbi: Ich werde herunterfahren, kurz vor den Fernseher sitzen und dann ab ins Bett.

Michael: Bei mir wird es entweder die angenehme Stille oder eine Märchenplatte sein.

Wintzi: Ich lausche dem Knistern des Feuers – ich muss aktuell echt so heizen.

Das zeigt, dass der Eröffnungstag gut lief. Wie geht es euch?

Wintzi:  Ich finde, die Eröffnung war megageil, wir haben eine grosse Wertschätzung von den Kunden und unseren Nachbarn erhalten. Die Freude der Leute, dass es nach 47 Jahren Why Not und 42 Jahren Zobi weitergeht, war riesig.

Habt ihr eure Ideen für den Laden umsetzen können?

Ronnie: Grundsätzlich ja. Wir haben auf einem leeren Blatt Papier gestartet, mit einer Skizze und ersten Massaufnahmen. In den letzten vier Wochen haben wir vieles geschafft, wenn auch nicht ganz alles. Der November dient zum Eingrooven, es werden noch mehr Möbel kommen. Der Dezember dient nebst dem Weihnachtsgeschäft zur Standortbestimmung.

Wintzi: Das Ziel ist, dass der Raum lebt. Die Person, die am Tresen steht, stellt neue Platten aus, sucht sich ein Thema – wie etwa eine Farbe oder ein Objekt – oder bringt ihre Lieblingsstücke zur Präsentation hervor. Stolz sind wir auch auf unser Schaufenster mit den Hörstationen. Das sieht automatisch immer anders aus, wenn verschiedene Leute darin sitzen. Zudem haben wir vor, mehrmals im Jahr Events wie kleine Konzerte zu veranstalten und mit anderen Geschäften in der Stadt zusammenzuarbeiten.

Döbi: Das Sortiment muss sich noch einpendeln. Es gibt so viel Musik und wir hören alle unterschiedliche Bands und Genres.

Wie wird euer Sortiment ausgewählt?

Ronnie: Das ist unser Vorteil: Wir haben nicht nur eine bestimmte Richtung, bei der wir uns auskennen, sondern fünf verschiedene Geschmäcker. Zudem sperren wir uns vor keinem Stil.

Michael: Ich bin kein Geschmackpolizist, sondern möchte Musik verkaufen, die unsere Kundschaft mag. Klar haben wir nicht alles im Laden, aber wir können alles bestellen.

Ronnie: Was aber grundsätzlich im Laden landet, ist eine grosse Diskussion. Interessant ist zu sehen, was heute am Opening verkauft wurde: neue Pressungen von Nirvanas «Nevermind», dem schwarzen Album von Metallica, Guns N’Roses – alte Klassiker, die weiterhin gekauft werden. Die musst du im Laden haben.

Trotzdem, ein Plattenladen in Zofingen ist schon ein Anachronismus …

Döbi: … Aber das Why Not existiert schon seit vielen Jahren.

Wintzi: Und es ist doch cool, dass es auf der Strecke Aarau – Luzern zwei Plattenläden gibt.

Ronnie: Das lässt sich auch umkehren. Ihr macht Phosphor, wieso? (lacht) Hinter unserer Arbeit steckt viel Ideologie und Leidenschaft, uns ist das Medium wichtig. Und es ist nicht unser Hauptjob.

Wintzi: Es muss Freude machen und finanziell funktionieren. Die schwarze Null am Ende des Monats muss sein. Und wir bezahlen allen, die hier arbeiten, einen fairen Stundenlohn. Wir arbeiten professionell, jeder hat sein Ressort und kann sich einbringen.

Ihr habt das Why Not von René «Zobi» Zobrist übernommen, einem Zofinger Urgestein. Wie fühlt sich das an?

Döbi: Aktuell ist es noch merkwürdig, selbst hinter dem Tresen zu stehen.

Wintzi: Ich war schon einmal hier angestellt, aber um ehrlich zu sein: Es sind grosse Fussstapfen, in die wir treten.

Wie viele Platten besitzt ihr privat?

Döbi: Das wurden wir auch schon gefragt (lacht). Ein paar tausend.

Wintzi: Ich bin ein Kind der CD-Industrie und habe lange CDs gekauft, obwohl sie damals teurer waren. Vinyl kam bei mir erst später hinzu.

Michael: Ich habe keine riesige Menge, aber ich höre mir alle Platten, die ich besitze, regelmässig an. An Börsen verkaufe ich auch nur, was ich mindestens einmal angehört habe.

Ronnie: Ich habe viel zu viel, aber so ist es, wenn Platz vorhanden ist.

Wintzi: Viele Menschen sammeln etwas oder gehen leidenschaftlich einem Hobby nach – und es ist auch schön, so etwas in seinem Leben zu haben.

In den Profilen auf der Website habt ihr alle eure Lieblingsplatten aufgelistet. «Noise» von Archive und «Private Dancer» von Tina Turner findet man gleich doppelt. Sind das also die besten Platten aller Zeiten?

(Allgemeines Lachen)

Wintzi: Die Liste ist eine Momentaufnahme, die ich jederzeit revidieren kann. Die Einschränkung auf zehn Stück ist brutal.

Ronnie: Zehn war bloss eine willkürliche Zahl – manche haben auch mehr aufgeführt …

Michael: Eigentlich habe ich nach Dekaden geordnet einige herausgesucht, jetzt sind plötzlich alle aufgeführt (lacht).

Wintzi: Ich habe zuerst drei Stück vorgeschlagen, aber das war unmöglich.

Ronnie: Spannend wird es dann, wenn wir unsere Jahres-Bestenliste aufführen oder thematische Inhalte aufschalten.

Was ist für euch die Magie von Vinyl?

Ronnie: Die Ruhe des Mediums. Du legst ein Album auf, hast maximal 20 Minuten Zeit und musst es dann umdrehen. Du widmest dich komplett der Musik und machst nicht nebenbei noch andere Dinge, wie etwa beim Streamen.

Döbi: Für mich ist der Klang erdig und warm, und das grosse Cover gibt viel her.

Wintzi: Ich schliesse mich Ronnie an: Musik auf Vinyl zu hören, ist eine konzentrierte Tätigkeit, die nicht im Hintergrund passiert. Ein Buch liest du auch nicht, während du kochst oder eine Serie schaust.

Michael: Für mich ist es klar die Kunst des Covers, die unterschiedlichen Strömungen der Jahrzehnte. Zudem ist es etwas Haptisches, das dir gehört und das du wirklich besitzt.


Die Kulturtipps des Why Not Teams:

Unterstützt die lokale Kultur, besucht das OXIL in Zofingen und das Böröm in Oberentfelden, und kauft eure Bücher in der Leserei.

Why Not GmbH
Vordere Hauptgasse 38
4800 Zofingen

Öffnungszeiten:
Donnerstag 11:30 bis 18:30
Freitag 11:30 bis 18:30
Samstag 10:00 bis 16:00

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