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Im Gespräch mit Milune

von Michael Bohli • 11.06.2023

Milune ist eine junge Künstlerin aus Zürich, die Themen wie Mental Health, Sexualität und Liebe umtreiben. Mit ihrer Musik möchte sie einen Safe Space schaffen.

Als wir Milune in ihrem Atelier in Zürich treffen, brennt draussen die Sonne; drinnen glühen vor allem der Ehrgeiz und die Leidenschaft der jungen Sängerin. In New York City geboren, will sie mit ihrer Popmusik die Welt erobern. Ein grosses Vorhaben, das klappen könnte, haben bereits ihre ersten Singles für viele Reaktionen gesorgt.

Ende 2023 soll das erste Album erscheinen, bereits am 14. Juni gibt es mit «Lunacy» neue Klänge. Diese werden nicht nur ihre grosse Gefolgschaft auf Social Media begeistern und bestimmt weitere Türen öffnen. Wir haben mit M.ilune über Träume, Ehrlichkeit und die Arbeit als Songwriterin gesprochen.




Phosphor: Du warst in den letzten Wochen viel unterwegs für Konzerte, in Europa und zuletzt auch in den USA. Wie geht es dir?

Milune: Gut! Ich versuche, nichts für selbstverständlich zu nehmen, sondern diese Phase in meiner Karriere zu geniessen. Zu reisen und meinen Traum leben zu können, ist fantastisch. Zugleich merke ich, dass meine Investitionen an Zeit und Energie sich auszahlen – es haben sich viele tolle Möglichkeiten ergeben.

Wird es dir nie zu viel, täglich zu arbeiten?

Stillstand macht mir mehr Angst als eine mögliche Überforderung. Aktuell passiert sehr viel sehr schnell; doch ich weiss, dass ich dank der Unterstützung meiner Familie und meines Teams viel stemmen kann. Das Reisen hilft mir auch, mich selbst besser kennenzulernen. Oft bin ich selbst von meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten überrascht.

Verwirklichst du aktuell deine Träume, oder denkst du noch weiter?

Das ist erst der Anfang (lacht). Seit der Veröffentlichung meiner ersten Single im letzten Juli ist extrem viel passiert, diese Entwicklungen konnte ich nicht vorhersehen. Als Musikerin gibt es keinen normierten Weg, man muss sich mit Körper und Geist hineinstürzen und hoffen, dass etwas zurückkommt.

Für mich war es eine intensive Reise, besonders auch durch das Offenlegen der eigenen Person. Dazu kommt, dass künstlerische Arbeit an vielen Orten nicht gewürdigt wird. Besonders in der Schweiz nehmen viele Leute in solchen Fragen eine konservative Position ein.

 

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Gibt es deswegen keine grossen Popstars aus der Schweiz?

Was war zuerst, das Huhn, oder das Ei? In der Schweiz herrscht ein sehr leistungs- und geldorientiertes Denken. Da passt Kunst oft nicht ins Schema, besonders wenn man sich als Künstlerin nicht beeinflussen lassen will. Das kann demotivierend wirken. Davon lasse ich mich aber nicht unterkriegen.

Dazu kommt, dass die tonangebenden Länder im Pop aktuell Korea und die USA sind. Eine Karriere mit Mundart-Pop kann schnell in die Gänge kommen, bleibt aber ein Nischending. Da ich in Englisch träume und denke, war für mich klar, dass ich meine Lieder in der Sprache singe.

Oder man nimmt ein Album in mehreren Sprachen auf.

Auf jeden Fall, dieser Gedanke ging mir auch schon durch den Kopf. Mir liegt der Klang von Englisch, Französisch oder Spanisch für Gesang aber mehr als Deutsch. Es ist auch wichtig, eine weltweite Gemeinschaft mit den Fans zu bilden und einen Safe Space zu schaffen. Ich selbst habe dies bei Künstlerinnen wie Billie Eilish gefunden und möchte das an meine Hörer:innen weitergeben.

In der Schweiz habe ich bereits eine grosse Gefolgschaft, die untereinander im Austausch steht. Diese Leidenschaft zu spüren, ist ein sehr schönes Gefühl.

Wie echt ist M.ilune auf Social Media?

Sehr, da ich mich nie als Person verstelle oder mich den Normen unterwerfen möchte. Auf Social Media bin ich sehr direkt und roh. Es gibt aber Bereiche in meinem Leben, die ich nicht öffentlich teile. Diese Rückzugsmöglichkeiten braucht jeder Mensch und das möchte ich so beibehalten. Wenn ich beispielsweise beim Thema Sexualität sehr offen bin, möchte ich damit nicht Einzelheiten aus meinem Privatleben verbreiten, sondern meinen Fans zeigen, dass jede Art von Liebe ihren Platz hat.

Trotzdem sieht man bei vielen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, dass die Negativität im Internet schnell ins Persönliche umschlagen kann.

Das ist nicht zu verhindern, wenn man bekannter wird und auf Social Media sehr präsent ist. Ich versuche mich mental dagegen zu wappnen und will meine Vorbildfunktion bei meinen Fans nicht ausnutzen.

Meine Erfahrungen sollen bei jungen Menschen zu positiven Entwicklungen führen, als Unterstützung in schwierigen Zeiten mit Begegnungen auf Augenhöhe. Zusätzlich wichtig ist, dass man sich in Krisensituationen bewusst wird, professionelle Hilfe zu holen. Dafür stehe ich ein.

Nicht zu unterschätzen ist auch, wie schnell sich heutzutage Botschaften auf Plattformen wie TikTok verbreiten oder falsch wiedergegeben werden. Egal, wie nahe ich meinen Fans bin und wie ehrlich ich mich gebe – vorsichtig zu sein ist immer wichtig.




Wie entstehen denn deine Songs?

Es gibt kein spezifisches Rezept. Meist beginnt alles mit einem Gefühl, das ich zu Papier bringen muss. Mein bisher liebstes Lied ist «Rose Garden», das aus einer realen Situation entstanden ist, und ohne nachzudenken waren die Textzeilen da. So einfach ist das leider nicht immer. (lacht).

Danach folgen ein Rhythmus und eine Melodie, die ich am Piano, an der Gitarre oder der Ukulele gestalte. Bei der Ausarbeitung gestalte ich die Elemente vielfach ungewohnt um, Septakkord liebe ich beispielsweise. Das Gegenstück sind Songwriting-Sessions, in denen alles strukturierter passiert. Da wird der Prozess kollektiv erweitert.

Ist das kommende Album bereit?

Ich würde sagen, zu 80%. Allerdings steht die Songauswahl noch nicht definitiv fest. Glücklicherweise habe ich mehr Material zur Verfügung, als ich benötige, und kann meine Favoriten herauspicken. Am 14. Juni erscheint die nächste Single «Lunacy». Ich freue mich sehr darauf, dieses Stück live zu spielen, wenn die Menschen es mitsingen können.

Ist es für dich schwierig, loszulassen und zu sagen, dieses Lied ist jetzt fertig?

Für mich ist das Gesamtbild mit visueller Erscheinung und Video sehr wichtig, also versuche ich oft bis zur letzten Sekunde, alles perfekt stimmig zu gestalten. Zum Glück habe ich ein grossartiges Team, das mich bei spontanen Entscheidungen unterstützt. Und ich bin sehr daran interessiert, unterschiedliche Stilrichtungen auszuprobieren.

Aufgewachsen bin ich mit R&B und Pop, mit Frauen wie Rihanna oder Lady Gaga, und diese Gebiete möchte ich erkunden. Aus der Komfortzone ausbrechen – «Lunacy» ist bereits anders als die vorherigen Singles.

Von deinen Singles gibt es bei den Streamingdiensten «Sped Up» und «Slowed» Versionen – wieso?

Die schnellen Versionen funktionieren sehr gut auf TikTok, mir persönlich sind die langsamen Mixes aber lieber. Dadurch entsteht eine Art mentale Reise in eine andere Welt, der Herzschlag beruhigt sich. In der schwierigen Zeit der Pandemie habe ich diese Musik für mich entdeckt und stundenlang gehört. Musik ist in solchen Momenten wie eine Droge.

Die beste Droge, die es gibt! Vielen Dank für das Gespräch.


Milune empfiehlt die Sängerin Jamba und die ästhetischen Filme von Wes Anderson.







Über Milune:

Geboren in den USA, lebt die junge Sängerin seit vielen Jahren in der Schweiz und hat sich in den letzten Monaten auf Social Media eine grosse Gefolgschaft aufgebaut. Sie will mit ihrer Popmusik einen sicheren Ort für junge Menschen schaffen.

Ilune = Ilu (I Love U) & Lune (Moon)

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