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Schwelbrand 14: Stete Veränderung

von Michael Bohli • 28.11.2025

Schwelbrand bringt dir neue Musik ins Haus. Dieses Mal bleibt alles im Fluss mit den Veröffentlichungen von Batbait, elie zoé, Veronica Fusaro, Miss C-Line, Namaka und Sensu.

Weder die Zeit noch die Veränderungen lassen sich aufhalten. Umso wichtiger ist es, dass wir als Menschen nie in unserer persönlichen Entwicklung innehalten, sondern bis zum Ende neugierig und wandelbar bleiben. Die hier vorgestellten Veröffentlichungen helfen dir dabei.

Batbait: Working In The Garden

Garage Rock • Irascible Records

Es geht auf und ab im Leben, es rumpelt die Musik. Die Garage-Rock-Gruppe Batbait hat im Garten in Zürich hantiert und auf ihrem zweiten Album zwölf Songs aus der Erde gehoben, die unser Leben von Unkraut befreien. «Working In The Garden» ist eine direkte, stellenweise laute und erfrischend handgemachte Scheibe.

«Liquid Surface» lässt sich Zeit, die Instrumente schleichen herbei, die vier Musikerinnen grooven sich ein. Mit sieben Minuten ist der Opener das längste Stück auf dem Album, danach wird es knackiger und roher. Das Highlight «Boys Club» kratzt am Patriarchat, Batbait musizieren sich frei. Diese Energie zieht sich durch alle Songs, die Wut wird zugelassen, die Ungerechtigkeiten benannt.

Der Bass knarrt, die Gitarren werden lose angeschlagen und das Schlagzeug sorgt für den satten Knall: Batbait lassen mit ihrer Rockmusik den Boden erzittern und bringen dir Momente der Entladung. Zu teure Wohnungen, einengende Normen und machtgierige Idioten ade – «Working In The Garden» lässt dich wirbeln, schwitzen und die Faust recken.

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elie zoé: shifting forms

Alternative, Indie • Humus Records

Wieso sind wir Menschen dem Glauben verfallen, dass unser Leben in unterschiedlichen Bereichen ein finaler Zustand erreicht? Bleibst du dieselbe Person, wenn du erwachsen bist? Bleiben deine Interessen und Vorlieben dieselben? Nein, alles ist fluid und im Wandel – «Shifting Forms» von elie zoé erzählt davon.

Das vierte Album elies ist eine Zusammenstellung von neun Liedern, die auf der bisherigen Karriere aufbauen und auf gemachte Erfahrungen zurückschauen. «change my name», «shifting forms» und «devour the sun» sind Sounds über zwischenmenschliche Interaktionen, persönliche Veränderungen und Selbstfindung. Das ist im gewohnten Klangraum eingebettet, wirkt aber verletzlicher als vorangegangene Werke.

Wenig auf dieser Platte ist laut, elie zoé nutzt den Blick nach innen für schöne Melodien und typische Gitarrensounds. Gender, Wahrnehmung und Akzeptanz sind wichtige Stichwörter – einzelne Eruptionen machen zoés Standpunkte klar. Klanglich mit angenehmer Reduktion produziert, entfachen die Lieder inhaltlich ihre volle Kraft und lassen uns über Entwicklungen und Normen nachdenken.

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Veronica Fusaro: Looking For Connection

Indie • deepdive records

Sehnsucht nach Verbindung und Nähe haben wir alle, mit ihrem zweiten Album besingt Veronica Fusaro diese emotionale Suche in unterschiedlichen Lebensbereichen. Entstanden in Bern und Berlin, sind die zehn Lieder energiegeladener Indie-Pop mit zahlreichen Gitarrenmomenten. Die Platte spannt den Bogen zwischen persönlichen und allgemeinen Situationen.

«Looking For Connection» kennt Veronica Fusaro als Empfindung sehr gut und ist als Künstlerin nicht nur der dauerhaften Erreichbarkeit und Vernetzung im digitalen Raum ausgesetzt, sondern muss den schmalen Grad zwischen Privatsphäre und öffentlichem Leben einhalten. «Gold Rush», «Tomorrow’s Coming» und «It’s All Gonna Be Okay!» zeigen Aspekte davon auf.

Die Stücke auf dem Album bringen ein angenehmes Tempo und Grooves mit sich, Fusaros Gesang nimmt den nötigen Raum ein und in den Kompositionen stecken Vibes aus Soul und Rock. Die Eingängigkeit ist da, der DIY-Geist ebenfalls. Eine Verbindung zu dir stellt die Musik problemlos her.

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Miss C-Line: Mellow Hearts

Jazz, Neo-Soul • C-Records

Eleganz fehlt es MISS C-LINE nicht, das instrumentale Intro von «Coz It’s Love» hat so viel Stil, dass wir uns daneben nur underdressed fühlen können. Streicher, Orgel und der warme Gesang laden zum Genuss von «Mellow Hearts» ein und entführen in eine andere Ära der Popmusik.

Damit wir nicht komplett in der satinweichen Umgebung versinken, wird das instrumentale Bett regelmässig von Jazz-Elementen aufgeweckt. Schicke Schlagzeugmuster, ein verständnisvoll brummender Bass und anregende Tempowechsel stützen die Klassik. Die Aspekte des Neo-Soul und MISS C-LINEs Stimme vergolden die Kompositionen.

«Coming Around» und «Waiting For» glänzen, «Unique» ist modern und dem Rap nahe, für «Flower» hat Ryler Smith auf der Platte ausgeholfen. «Mellow Hearts» schwingt die Gefühle mit der grossen Kelle an, ist atmosphärisch sehr dicht und klingt wunderbar. Diese Platte wird dich in kalten Momenten warmhalten und dich bezirzen.

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Namaka: Cloudspotting

Pop • Mouthwatering Records

Wenn wir etwas mit wechselnden Formen verbinden, dann sind es Wolken. Zuerst sehen sie aus wie ein Hase, dann plötzlich sind sie riesig und verpuffen in der nächsten Sekunde. Ein faszinierendes Spiel am Himmel, das durch die Musik auf «Cloudspotting» verstärkt wird.

Namaka, das sind Sophie und Philipp, haben mit ihrer Popmusik ein Raum für Träume und Wunschdenken geschaffen. Die 11 Lieder sind sanft und schmiegen sich an dich, dein Blick schweift in die Ferne und die Fantasien steigen auf. Von Synthesizern bestimmt, sind die Tracks voller Klangflächen, wunderbaren Harmonien und schicken Texturen.

Kompositionen wie «Cosmic Tides» oder «Rain On My Heart» sind entzückend, Namaka heilen unsere Seelen und finden mit ihrer Musik Möglichkeiten, den Weltschmerz auszuhalten. Das resultiert in einer Platte voller Schönheit, bei der ich mir wünsche, kurze Tracks wie «Blooming» würden ewig andauern.

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Sensu: Pure Motion

Electronic, Garage • Headroom Records

Veränderung ist Bewegung, das unterstützt Sensu mit ihrer EP «Pure Motion» und liefert elektronische Musik ab, die dich kontinuierlich nach vorne bringt. Sechs Mal werden Synthesizer und Beats in bestem Zusammenspiel in Richtung Garage und Electronic geschickt, die Künstlerin aus Baden lässt uns tanzen.

Geschickt wandelt die Produzentin und DJ zwischen klaren und düsteren Momenten, ohne das befreiende Gefühl zu verlieren. «Wanna See U Again» lässt dich an deine D&B-Phase zurückdenken, «Rain» ist Hit-Material und wie Burial mit aufgeladener Batterie. Nachdenklicher gibt sich «Hurts My Head» und labt sich an Bässen.

«Pure Motion» ist beim Anhören pure Freude, Sensu liefert Musik für Clubnächte, nächtliche Fahrten durch das Land und ein erfreutes Wiedersehen mit Freund:innen auf der Tanzfläche. Das klingt nach London, das klingt nach ersten Sonnenstrahlen im Gesicht und nassen Asphaltflächen.

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Schwelbrand

Die Beitragsreihe bringt dir neue Musik aus der Schweiz näher, persönlich und mit emotionaler Reaktion besprochen. Alben, EPs und thematische Verbindungen; unregelmässig, immer heiss.

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