von Michael Bohli • 11.01.2026
Der Brettspielverein Zofingen veranstaltet Spieleabende und entfacht die Spielfreude bei allen. Wir haben ein Event besucht und mit der Vereinsleitung gesprochen.
Früher war ich regelmässig im Spittelhof, um in der Winterzeit Kerzen zu ziehen, diesen Dezember habe ich mich im Freizeitzentrum Zofingen eingefunden, um in die Welt der modernen Brettspiele einzutauchen.
Der Brettspielverein Zofingen, bestehend aus sieben Personen, organisiert monatlich einen öffentlichen Spieleabend und liefert dazu Spiele, Fachwissen und Euphorie. Zusammen mit weiteren Personen haben wir uns in eine packende Runde «Feed The Kraken» gestürzt, während im Saal nebenan mutige Raumfahrer eine epische Partie «Eclipse» bestritten. Dazwischen gab es Kartenspiele, Unterhaltungen und Getränke.
Doch wie kam es zu dieser Veranstaltungsreihe und was macht der Brettspielverein genau? Wir haben mit Ratheeban Rajakumar (Vereinspräsident) und Lukas Schär (Vizepräsident) darüber gesprochen.
Phosphor: Welches war euer Lieblingsspiel in der Kindheit?
Ratheeban Rajakumar: Wir haben meist «UNO» oder «Monopoly» gespielt. Viele andere Spiele kannten wir nicht, wir haben auch selten eine Monopoly-Partie fertig gespielt. Im jungen Alter bekam ich die Brettspiele zu «Dungeons & Dragons», welche aber zu kompliziert waren und auch meine Eltern nicht beherrschten. Die Spiele besitze ich weiterhin.
Lukas Schär: An «Monopoly» kann ich mich ebenfalls erinnern, und wir hatten «Der zerstreute Pharao»; ein taktiles Spiel, bei dem versteckte Schätze in bunten Pyramiden gefunden werden müssen. Zudem hatten wir einen «Monopoly»-Verschnitt mit lokalen Gewerben. Ein Werbespiel aus dem Oberaargau mit Läden aus Langenthal und Umgebung – unter anderem eine Videothek, die ich tatsächlich besucht habe.
Gab es in eurem Leben eine Phase, in der ihr nicht gespielt habt?
Ratheeban: In der Zeit zwischen Primar- und Oberstufe habe ich vor allem PC-Games gespielt, Brettspiele wurde erst kurz vor der Pandemie wieder ein Thema. Damals gab es in Zofingen noch einen Spieleladen und wir hatten eine kleine Gruppe, die sich regelmässig traf. Daraus entwickelte sich zusammen mit dem Geschäft ein Spieleabend, und aus Platzgründen sind wir in den Spittelhof gewechselt.
Lukas: Bei mir war es ähnlich, das Digitale wurde im Alter von zirka zehn Jahren viel interessanter. Erst 2016 kam das Thema Brettspiele mit einer Chatgruppe wieder auf.
Viele Leute haben eine ähnliche Geschichte: In der Kindheit werden zahlreiche Brettspiele gespielt, in der Jugend geht das Interesse daran verloren – und im Erwachsenenalter fehlt ein Anreiz, um wieder einzusteigen.
Ratheeban: Ein guter Punkt, das war einer der Gründe, wieso wir die Gruppe für eine grössere Klientel geöffnet haben. Dadurch konnten wir neue Leute finden, die Lust an komplexen und langen Spielen haben und sich regelmässig Brettspielen widmen wollen.
Ist das Ziel des Vereins auch, den Leuten zu zeigen, wie toll Spiele sein können?
Ratheeban: Ja, wir bieten eine Anlaufstelle für Personen, die Lust am Spiel haben, aber eventuell kein Spiel oder nicht genügend Leute haben, um eine Partie zu beginnen. Es ist auch möglich, das eigene Spiel an den Abend mitzubringen. Wir fördern das Hobby und die Freude am Spielen.
Im Vereins-OK lesen wir uns in die Anleitungen der Spiele ein und setzen uns mit den Mechaniken und Regeln auseinander. Das hilft, Barrieren abzubauen und den Leuten einen einfachen Einstieg am Brettspielabend zu ermöglichen. Wir bieten Einführungen und begleitete Spielrunden.
Lukas: Das ist ein Punkt, den die Leute auf jeden Fall wertschätzen. Ich selber lese gerne Anleitungen und arbeite mich online durch Regeln und Videos. Anderen ist das zu aufwändig, darum bieten wir Hilfe.
Vorwissen ist demnach nicht nötig, um am Brettspielabend teilzunehmen.
Lukas: Nein, überhaupt nicht. Es hilft, wenn gewisse Begriffe oder Modi wie «Draft» bekannt sind, das ist aber absolut kein Muss.
Ratheeban: Oft ist das die Barriere für «ältere» Spieler. Man lernt einfache Regeln und vermittelt diese den Kindern, widmet sich aber nie den komplexeren Werken. Dadurch geht man nie über diese Stufe hinaus, eventuell auch unbewusst.
Lukas: Es gibt natürlich auch ganz viele, sehr tolle Spiele, die für Kinder entwickelt werden. Besonders der Hersteller HABA, erkennbar an den gelben Verpackungen, hat super Produkte.
Wenn ich keine Freunde habe, die mit mir Brettspiele spielen wollen, kann ich allein vorbeikommen?
Ratheeban: Sehr gerne. Wir haben Leute in unterschiedlichen Altersgruppen, ab und zu kommen auch Kinder vorbei. Wichtig ist aber zu wissen, dass sich der Abend komplexeren Spielen widmet. Familien mit kleinen Kindern sind bei den Spieleabenden in der Ludothek gut aufgehoben.
Kommt ihr selbst überhaupt zum Spielen?
Ratheeban: Es gibt manchmal Abende, an denen wir sehr intensiv mit Erklärungen beschäftigt sind …
Lukas: Meist ist es so, dass wir beim Erklären eines Spiels gleich bei der Partie mit dabei sind – so geht nichts vergessen und wir können auf spezifische Situationen reagieren.
Euer Brettspielverein und die Spieleabende existieren seit einigen Jahren. Ist es für euch der erhoffte Erfolg?
Lukas: Grundsätzlich schon, wir haben eine Stammkundschaft, die regelmässig kommt und viel Spass hat, allerdings ist eine Wachstumsstagnation eingetreten.
Ratheeban: Beim Verein selbst haben sich gewisse Dinge verändert, wir sind älter geworden, haben teilweise eine Familie. Aber auch bei der Grösse im Spittelhof sind wir beschränkt, neue Räumlichkeiten mit mehr Tischen und Platz würden einen höheren Mitgliederbeitrag bedingen. Aktuell ist der Jahresbetrag bei 50 CHF, was die Spieleabende und Spielausleihen inkludiert.
Ist Zofingen ein guter Ort für Spiele?
Ratheeban: Ein Vorteil ist auf jeden Fall die Lage und die ÖV-Anbindung; wir hatten schon Leute aus Basel, Solothurn und St. Gallen bei uns.
Lukas: Auch im Bereich Spiele ist Zofingen toll – die Ludothek hat ein riesiges Angebot. Ich selbst habe beim Start von unserem Verein dort Spiele ausprobiert und mich informiert. Etwas weiter weg von Zofingen ist der Spielbrunch von Creavida in Lenzburg oder die Spielstatt in Aarau.
Wo informiert ihr euch über neue Spiele?
Ratheeban: Die Website BoardGameGeek ist die beste Informationsquelle, und die «Spiel des Jahres»-Auszeichnungen helfen zur Orientierung.
Lukas: Ich schaue zusätzlich regelmässig Reviews auf YouTube von abonnierten Channels.
Habt ihr aktuell ein Lieblingsspiel?
Ratheeban: Ich mag «Arkham Horror», die 2. Edition – nur spielen wir es sehr selten. Oder «Terraforming Mars», das spiele ich immer sehr gerne.
Lukas: «7 Wonders» war in unserer Gruppe lange das liebste Spiel, da wir es zu siebt spielen konnten. Ich persönlich mag «Arcs» sehr und mein Highlight ist «Twilight Imperium», das allerdings einen ganzen Tag dauert.
Habt ihr einen Geheimtipp?
Lukas: «Coup» ist ein sehr tolles Kartenspiel über Bluffing und Lügen, mit einem sehr interessanten Meta-Game, das sich über jede Runde stark steigert. Eine grosse Empfehlung meinerseits!
Ratheeban: «Feed the Kraken» ist sehr gut und in der Mechanik ähnlich wie «Werwölfe». Matrosen und Piraten spielen gegen einen durchgedrehten Kultisten, der alle der Krake opfern will.
Ihr habt PC-Gaming erwähnt, interessiert euch das weiterhin?
Ratheeban: Ganz klar (lacht). Hier ist der Sozialaspekt sehr wichtig, da wir seit Jahren als Freundesgruppe zusammen spielen und weiterhin jährlich eine LAN-Party mit zirka 60 Teilnehmern veranstalten.
Lukas: Ja, ich spiele meistens nach dem Feierabend oder später am Abend mit meiner Freundin.
Über den Brettspielverein:
Einmal im Monat trifft sich der Verein zu einem Spieleabend im Spittelhof Zofingen. Es sind alle interessierte Personen willkommen, Vorwissen ist notwendig und eigene Spiele dürfen mitgebracht werden.
Die Jahresmitgliedschaft im Verein beträgt 50 CHF und inkludiert Gratiseintritte an die Spieleabende und Spielausleihen.
Die nächsten Termine:
30. Januar, 27. Februar, 20. März – jeweils ab 19.30 Uhr