von Michael Bohli • 25.05.2026
Die Artist Alley an der Fantasy Basel 2026 bot neben Zeichnungen und Stickers viele weitere Dinge zum Entdecken. Wir haben mit fünf kreativen Personen über ihr Wirken gesprochen.
Auch wenn Prints und Kleber genial sind, nach mehreren Jahren an der Fantasy Basel ist der persönliche Vorrat übervoll. Glücklicherweise gab es an der Artist Alley erneut Künstler:innen zu entdecken, die an ihrem Stand weit mehr als die Klassiker boten. Wir haben mit fünf talentierten Personen gesprochen und zahlreiche Hobbys kennengelernt.
Mina Kings hat sich ein eigenes Universum bestehend aus Buttons, Schmuck und Potions geschaffen. Als Midnight Spells hat sie ihre gestalterische Sprache voller Gothic Vibes entwickelt und begeistert damit nicht nur dunkle Seelen.
Phosphor: Wie geht es dir und auf was freust du dich an der Fantasy?
Midnight Spells: Etwas müde von all den Vorbereitungsarbeiten, aber ich freue mich sehr darauf, andere Artists zu treffen und neue Bekanntschaften zu machen.
Dein Stand ist sehr dunkel gestaltet, bist du eine nachtaktive Person?
Ja sehr, am Dienstag war ich bis morgens um drei Uhr wach und habe an meinen Produkten gearbeitet. Das hat mich etwas ermüdet (lacht).
Was fasziniert dich an Gothic und Gloom?
Auf jeden Fall die Musik, welche mich als Teenager geprägt hat und somit wuchs ich in der Dunkelheit, in dieser Szene. Wie ein Pilz (lacht). Ich fühle mich wohl im Schatten.
Du magst Halloween sehr gerne. Wie verbringst du den Tag am liebsten?
Zuhause im Pyjama. Die gemütlichen Herbst-Vibes mag ich sehr und geniesse diese mit passenden Filmen und leckeren Süssigkeiten.
Was an deinem Stand magst du am liebsten?
Mein Klassiker, der immer funktioniert, ist der «F*ck You»-Button in Herzform. Oft sehe ich Menschen mit meinen Buttons an öffentlichen Orten wie im Zug. Das ist sehr toll.
Mit welchen Tools arbeitest du am liebsten?
Ich liebe Handarbeit, darum bin ich auf meine Buttons sehr stolz und neu auch meine Potions, die ich nächtlich gebraut habe (lacht).
Lucie ist eine gelernte Schneiderin aus der Schweiz, die mit dem Modelabel Twisted Ego einen Ort geschaffen hat, in dem sich alle stylisch und Fantasy-mässig einkleiden können. Hier treffen Vorstellung und Realität aufeinander, Stoff und Metall gehen eine Verbindung ein. Dabei beeindruckt die Handwerkskunst bei jedem Stück.
Phosphor: Auf was freust du dich an dieser Fantasy?
Twisted Ego: Ich hoffe, es wird so spassig, wie immer. Es ist stets toll, alte und neue Freunde zu treffen und deren Reaktionen in echt zu erleben. Zudem habe ich viele neue Werke dabei und entsprechend hohe Erwartungen (lacht).
Dein Schmuck und deine Kleider sind extrem detailliert und liebevoll gestaltet. Wie lange arbeitest du an einem Stück?
Das ist je nach Kleidungsstück oder Stil sehr unterschiedlich; von wenigen bis über 100 Stunden für ein feenähnliches Kleid. Um alle Stücke für die Fantasy herzustellen, habe ich zwei bis drei Monate gearbeitet. Von gewissen Kollektionen habe ich für die Convention zudem mehrere Stücke hergestellt – ansonsten arbeite ich viel mit Einzelstücken.
Wie würdest du «Fantasy Fashion» beschreiben?
Meine Kleidung ist ganz klar für Momente gedacht, in denen du stark sein willst. Ich bin der Meinung, dass dir dein persönlicher Kleidungsstil und einzelne Stücke helfen können, dich gut und sicher zu fühlen. Wie in einem Spiel, in dem du mit einem neuen Skin bessere Werte bekommst.
Ich stelle immer wieder fest, wie Kleidung bei Menschen eine sicherere Haltung auslösen kann und wie sie dadurch anders mit Personen interagieren.
Hast du ein Kleidungsstück, auf das du sehr stolz bist?
Alles was rüstungsähnlich oder mit Schuppen gestaltet ist. Das ziehe ich selbst am meisten an und ich mag den Gedanken von einer Alltagsrüstung, die uns hilft, die Herausforderungen zu meistern. Das kann auch ein kleines Stück Schmuck sein.
Hast du Zukunftsträume?
Theoretisch viele, aber ich konnte vor kurzem dank meiner Arbeit ins Ausland reisen und dort mit Menschen zusammenarbeiten, die ich sehr bewundere. Ich hätte vor einigen Jahren niemals gedacht, dass dies passieren würde. Es ging sozusagen ein Traum in Erfüllung.
Von den eigenen Entwürfen zum fertigen Produkt: NookNerdica ergänzt dein Hobby mit wunderbaren Gegenständen und 3D-Drucken. Dabei wird nicht auf Massenware, sondern auf persönliche Gestaltung und viel Flair gesetzt. So cool hast du selten deine Würfel rollen lassen.
Phosphor: Wie gehts und auf was freust du dich?
NookNerdica: Gut, danke; noch habe ich Energie. Was ich an einer Convention sehr schätze, ist der Austausch mit anderen Personen und die gebotenen Feedbacks zu meiner Arbeit. Da hilft man sich gegenseitig mit Tipps und Inputs.
Der Anteil von 3D-gedruckten Produkten nimmt stetig zu.
Ja, bei meinem ersten Fantasy Besuch vor drei Jahren hatte es bloss einzelne Stände, jetzt werden es jährlich mehr Händler und Hersteller. Was positiv ist, da es das Hobby des 3D-Drucks und die Kreativität dahinter weiterbringt.
Welche Spiele spielst du selber?
Ich spiele sehr gerne Magic: The Gathering und Dungeons & Dragons. Ich bin in einer privaten D&D-Gruppe mit einigen Freunden und spiele regelmässig zu zweit Magic-Partien.
Hast du eine persönliche Glückszahl oder einen Glückswürfel?
Nicht konkret, der hier liegende Würfel war bisher oft auf meiner Seite. Probieren wir es doch aus. (Würfelt durch den Dice Tower und erzielt eine Zehn.) Ich bin zufrieden (lacht).
Wie sieht dein Prozess für ein neues Produkt aus?
Meist beginnt alles mit einer Idee, Conventions wirken sehr inspirierend und verlängern meine Checkliste. Beim Würfelturm habe ich den ersten grossen Prototypen im kleinerem Format neu modelliert und daraus den Schlüsselanhänger entwickelt. Dazu waren viele Zwischenschritte notwendig, um das Design und die Funktionalität den Bedingungen anzupassen. Darin steckt für mich der grosse Reiz.
Hast du Hoffnungen und Ideen für die Zukunft?
Das ist eine schwierige Frage, sehr wichtig wäre mir aber, dass das Hobby Bestand hat und nicht durch KI-Slop verdrängt wird; für mich ist der Prozess zentral. Darum hoffe ich, dass KI-Tools in Zukunft uns die Arbeit erleichtern, damit mehr Zeit für unsere Hobbys bleibt.
Ein schick glitzernder Trank, Kerzen in ungewohnten Formen und hübsche Linolprints: Bei Lumiel wird alles von Hand gemacht und bringt die notwendige Portion Magie in jede Wohnung. Dank ihrer Boutique wird deine Abenteuergruppe immer gut ausgerüstet sein.
Phosphor: Wie geht es dir?
Lumiel: Ich bin sehr glücklich, aber auch müde, der Donnerstag ist an der Fantasy immer sehr intensiv. Man trifft viele neue Leute, erklärt die eigene Arbeit. Das ist aber auch befriedigend und ein schönes Gefühl, da es zeigt, dass meine Produkte bei den Besucher:innen gut ankommen.
Auf was freust du dich besonders?
Es ist immer sehr schön, bekannte Gesichter und wiederkehrende Kund:innen zu treffen. Auch wenn es bloss für ein kurzes Gespräch ist. Zudem bin ich bei zwei Stamp-Rallyes mit dabei und stolz darauf, da man sich für die Teilnahme bewerben musste.
Worin liegt die Faszination bei den Potions?
Hach, es glitzert so wunderbar (lacht). Als ich damit begonnen habe, ist mir aufgefallen, welche Vielfalt möglich ist. Es muss nicht Dungeons & Dragons sein, es gibt so viele Spiele und Filme mit Tränken wie zum Beispiel der Kindheitsklassiker «Shrek». Da es sich bei den Gegenständen oft um Nischenwissen handelt, macht es viele Leute sehr glücklich. Und die Ideen werden mir noch lange nicht ausgehen.
Wenn du ein echtes Ladengeschäft eröffnen könntest, wo wäre dieses?
Im D&D-Universum zu sein, wäre sehr toll. Dort gibt es nicht nur Helden und Monster, sondern normale Markthändler – da würde ich gut reinpassen, ohne mein Leben aufs Spiel zu setzen (lacht).
Kannst du zaubern?
Im Herzen können wir alle zaubern, im echten Leben kann ich Leute verzaubern (lacht). Magie liegt im Auge des Betrachters und wir alle tragen einen Funken in uns.
Gibt es etwas an deinem Stand, das dir besonders am Herzen liegt?
Mein momentan oft in Vergessenheit geratenes Lieblingskind sind die Linolschnitte. Die Drucke sind alle Unikate und sehen nie gleich aus. Daraus entsteht eine sehr individuelle Wertigkeit und zeugen von Handwerk.
Beatriz Malacueco transformiert mit ihrer Arbeit Figuren und Charaktere aus bekannten Werken in unsere Welt. Faden und Häkelnadel reichen aus, um deine Lieblinge zu kuscheligen Plüschtieren zu machen. Die Fantasy war zudem ihre vorerst letzte Convention in der Schweiz.
Phosphor: Wie geht es dir?
Bea: Es ist der erste Tag, ich bin noch etwas aufgeregt – aber grundsätzlich geht es mir gut!
Worauf freust du dich dieses Jahr am meisten an der Fantasy?
Auf die Reaktionen der Leute. Die Erwachsenen reagieren meist genau gleich wie die Kinder: Sie finden meine Arbeiten niedlich und freuen sich, dass sie handgemacht sind. Plüschtiere sind für alle Generationen da, sie helfen bei Anxiety, sind schön anzuschauen und können Sammelobjekte sein.
Wie bist du zum Häkeln gekommen?
Als ich vor fünf Jahren meinen Partner kennengelernt habe, hat er mir die Cosplay-Welt näher gebracht. Ich wollte dann ein It-Takes-Two-Cosplay selber machen, und weil ich nicht stricken kann, habe ich es mit Häkeln versucht. Auf Social Media habe ich dann Plüschtiere entdeckt. Zum Cosplay kam es schlussendlich nie, aber das Häkeln ist eine grosse Leidenschaft geworden.
Wie wählst du aus, was du häkelst?
Zum Teil arbeite ich nach Anleitungen, vieles kreiere ich auch selbst. Ich mache einfach das, worauf ich gerade Lust habe – für eine Convention wähle ich zum Beispiel eher nerdige Sachen aus.
Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft?
Wir wandern in einem Monat aus, darum ist diese Convention recht emotional – es ist meine vorerst letzte, zumindest in der Schweiz. Ich wünsche mir, dass der Stand erfolgreich ist, die Leute Freude haben und ich mit einem guten Gefühl nach Hause gehe.
Mehr Phosphor: Fünf weitere Gespräche von der Fantasy Basel 2026 gibt es hier.