von Michael Bohli • 23.05.2026
An Neuentdeckungen fehlt es in der Artist Alley an der Fantasy Basel nie. Zu gerne haben wir zahlreiche Stände besucht und mit sechs Künstler:innen gesprochen.
Wie bereits in den vorangegangenen Jahren war 2026 die Artist Alley für uns das Herzstück der Fantasy Basel. Eine Halle voller talentierter Personen aus aller Welt, die ihre Werke und Zeichnungen vorgestellt haben. Ein Ort des Austausches, der Freude und der Begegnungen.
Wir haben uns sechs Künstler:innen aus der Schweiz herausgepickt, die mit ihrer Vielfalt und ihrem Wirken begeistern, und sie zu einem kurzen Gespräch an den jeweiligen Ständen getroffen.
Während Ariane (Aria Art) in ihren Zeichnungen realistische Motive mit Fantastik und aktueller Popkultur kombiniert, transportieren uns die Werke von Nathanaël alias shrimppburger in mittelalterliche Zeiten. Die beiden Artists aus Zürich kombinierten ihre Fähigkeiten zu einem gemeinsamen Stand.
Phosphor: Worauf freut ihr euch dieses Jahr am meisten an der Fantasy?
Aria Art: Auf die Cosplays und die Artist Alley!
shrimppburger: Auf das Community-Gefühl, das an der Fantasy herrscht – vor allem in der Artist Alley. Viele Leute sind jedes Jahr hier, man trifft sich wieder und tauscht sich aus.
Aria, deine Bilder sind sehr wholesome. Welche Emotionen löst das Zeichnen bei dir aus?
Aria Art:: Ich zeichne einfach, was ich gerne mag. Mein Lieblingssticker ist zum Beispiel «To Bee Or Not To Bee» – ich habe Englisch studiert, da ist Shakespeare naheliegend (lacht).
Shakespeare ist sozusagen Popkultur von damals. Was spricht dich an der Popkultur von heute an?
Aria Art:: Ich spiele oft Videogames und lese viel. Fantasy im Allgemeinen und auch der Medieval Market, den es hier jedes Jahr gibt, sprechen mich an.
Stichwort Medieval Market: Was fasziniert dich, shrimppburger, am Mittelalter?
shrimppburger: Ich bin auf dem ersten Bildungsweg Kunstgeschichtler, das hat mich zur Mittelalter- und Renaissance-Kunst gebracht. Ich bin auch Medieval-Fantasy-Fan und spiele gerne Dungeons & Dragons – das ist meine Welt.
Wie schwierig ist es, die Imperfektion dieser Stile selber umzusetzen?
shrimppburger: Es ist tatsächlich nicht so einfach. Man hat immer das Gefühl, es nicht so ganz eingefangen zu haben. Digital sieht es zu clean aus, darum arbeite ich von Hand und scanne es ein. Und je schneller man es malt, desto besser (lacht).
Zu deinem Namen: Hast du einen Lieblingsburger?
shrimppburger: Es ist mir fast ein bisschen peinlich, aber ich liebe hipsterige Burger über alles. Mit einem Spiegelei oder Avocado hast du mich.
Was sind eure Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft?
Aria Art: Wachsen und mehr online verkaufen wäre cool.
shrimppburger: Bei mir ist es dasselbe, ich würde auch gerne Patches, T-Shirts oder Ähnliches anbieten. Und ich möchte es in Zukunft mit meiner anderen Tätigkeit als Gamedesigner verbinden.
Gans gute Wortspiele und Sticker haben uns an den Stand von KIRAMIIN (Lilian Khov) gelockt. Die Illustratorin und Game Designerin aus Zürich ist vielseitig unterwegs und hat ihre eigene Marke neben dem Studium aufgebaut.
Phosphor: Wie geht es dir und worauf freust du dich dieses Jahr am meisten an der Fantasy?
KIRAMIIN: Müde, aber gut! Ich freue mich auf bekannte Gesichter und das Community-Gefühl.
Du arbeitest viel mit Wortspielen. Ab wann ist ein Wortspiel zu schlecht, um es zu verwenden?
Wenn ich es selber lustig finde, ist es gut genug für einen Sticker. Ansonsten passiert es nicht. Ich produziere auch nicht superschnell, pro Jahr kommen ein, zwei Sticker dazu.
Du hast einen sehr markanten Stil. Wie hat sich dieser entwickelt?
Das kam über die Zeit. Ich studiere nebenbei noch Game Design, und die aktuelle Arbeit hat auch einen Einfluss.
Neben Stickers hast du auch noch andere Produkte. Wie viele Haarclips, Keychains etc. hast du denn persönlich zu Hause?
Mega viel (lacht). Ich nehme auch immer eine grosse Box davon mit an die Fantasy.
Hast du ein Lieblingsobjekt an deinem Stand?
Das wäre mein Schmuck – ich finde, darin zeigt sich meine Individualität am besten. Und die schweizerdeutschen Stickers bin ich konsequent am Pushen.
Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft?
Ein Job (lacht). In der Gamebranche sieht es momentan mager aus, aber ich bin noch ein Jahr im Studium. Für die Zukunft möchte ich einfach gerne wissen, wie es danach weitergeht, und bin gespannt.
Der Stand als Schlossgarten, die Kunst als Mittel für eine Welt mit mehr Hoffnung: In den Arbeiten von Kena stecken viele Emotionen und eine grosse Leidenschaft. An der ersten Convention gab es Wunschzeichnungen, Prints und geniale Gender Buttons zu entdecken.
Phosphor: Wie geht es dir?
Kenapiece: Gut, sehr aufgeregt und happy. Es ist meine erste Convention und ich habe überlegt, ob ich vielleicht mit einer kleineren anfangen soll. Aber hey, go big or go home!
Worauf freust du dich am meisten?
Auf den Kontakt und den Austausch – und wenn sich die Leute freuen, an meinem Stand etwas zu entdecken.
Auf deinen Illustrationen gibt es viel Natur zu sehen. Was für eine Rolle spielt die Natur in deinem Leben?
Sie steht für mich an erster Stelle. Ob Seen oder Berge, ich muss regelmässig raus, damit es mir gut geht. Auch in der Kunst mag ich organische Formen.
Was muss eine Figur haben, damit du sie zeichnen möchtest?
Entweder muss es eine facettenreiche Figur mit vielen Problemen sein – damit kann ich mich identifizieren (lacht) – oder sehr charismatisch sein und Freude ausstrahlen, wie Monkey D. Luffy von «One Piece».
A propos One Piece: Was ist deine Prognose, wann ist es fertig?
Hoffentlich nie! Nein, im Ernst, ich glaube Eiichirō Oda, wenn er sagt, dass es langsam aufs Ende zugeht. Ich bin komplett updated und prognostiziere fünf bis zehn Jahre (lacht).
Zurück zu deinen eigenen Werken: Ich spüre eine grosse Hoffnung darin. Was bedeutet Zeichnen für dich?
Es fühlt sich an, als ob es nicht anders ginge. Ich hatte schon als Kind Mühe, nur mit Worten oder Gesten durchs Leben zu navigieren – Zeichnen ist für mich eine Möglichkeit, komplexere Gefühle auszudrücken.
Zum Abschluss eine fiese Frage: Hast du ein «Lieblingskind» an deinem Stand?
Ja, ich bin der böse Papa und habe tatsächlich zwei Lieblinge, und zwar die beiden Feen-Prints. Diese habe ich extra für die Con gezeichnet und viel Zeit hineingesteckt.
Was auf den ersten Blick düster wirkte, offenbarte sich als Tor zu einer Welt voller Schönheit. Mit ihren Arbeiten verzaubert uns Luna Cassandra mühelos. Die gelernte Grafikdesignerin liebt es, Ideen und Geschichten sichtbar zu machen.
Phosphor: Wie geht es dir?
Luna Cassandra: Ich bin aufgeregt und freue mich, das wunderbare Convention-Gefühl wiederzuerleben. Ich bin sehr gespannt darauf, neue Menschen kennenzulernen und Kunst zu entdecken.
Deine Zeichnungen bestechen durch detailreiche und gekonnte Schattierungen. Wie lange arbeitest du an einem Werk?
Meist beginne ich mit einer Skizze, die oftmals dann einige Tage nicht weiter bearbeitet wird – bis ich in einem Moment der Konzentration mehrere Stunden dransitze. Durchschnittlich arbeite ich fünf bis zehn Stunden an einem Bild.
Mit welchen Werkzeugen arbeitest du?
Vieles erstelle ich mit Procreate digital, dann wiederum arbeite ich gerne mit Öl, Acryl oder modelliere mit Fimo. Sehr vielseitig.
Deine Motive wirken atmosphärisch und düster, was lauert in den Schatten?
Das, was du selbst darin siehst und entdeckst. Eventuell ein Wesen, ein Geist. Schatten sind nicht negativ sondern mystisch und wollen erforscht werden.
Du bist gerne an Festivals oder sonst unterwegs; was inspiriert dich?
Alles. Ich bin mit den Werken von Tim Burton aufgewachsen und schaue weiterhin sehr gerne Filme, dann aber auch die Natur. Ich zeichne sehr gerne Pflanzen. Auch Menschen die ich kenne, können mich mit Ideen, Gedanken oder Gesprächen inspirieren. Vieles entsteht zudem spontan.
Hast du ein Libelingsobjekt an deinem Stand?
Das ist schwierig, sehr an Herzen liegen mit meinen neuen Fimo-Kreationen. An meinem Stand findest du aber nur Werke, die mir selbst sehr gefallen. Ein Best Of sozusagen (lacht).
Illustratorin Saija inspiriert unsere Fantasie mit farbenreichen und magisch wirkenden Zeichnungen. Von Zürich aus lässt sie unsere Gedanken mit ihren Werken weit reisen und verbreitet ihre Liebe für den Sojasaucenfisch – daher auch ihr Name soyafishh.
Phosphor: Du strahlst vor Freude, was wird toll an dieser Fantasy?
soyafishh: Ich bin zum ersten Mal als Artist mit einem Stand hier und freue mich total auf alle Cosplays und den Austausch mit den anderen Künstler:innen.
Du hast einen prägnanten und ausgereiften Stil. Wie hast du Zeichnen gelernt?
Ich habe sehr jung damit angefangen und während der Zeit, die ich im Ausland verbracht habe, konnte ich in der Schule mein Interesse vertiefen. Es begann mit Fine Arts und entwickelte sich in Richtung Illustration und Figurendesign. Ich liebe es, Fische zu zeichnen (lacht).
In vielen deiner Zeichnungen stecken fantastische Elemente. Was ist auf der Welt magisch?
Einen Grossteil meiner Inspiration kommt von den Filmen von Studio Ghibli; seit meiner Kindheit war ich von dieser Art von Worldbuilding fasziniert. Zudem fand ich viel Magie in den Farben und der Tiefe der Ozeane.
Wenn du auf eine andere Welt reisen könntest, wohin würdest du gehen?
Am liebsten auf einen Wasserplaneten, oder noch besser: Ganz viele Welten. Ich kann mich schlecht entscheiden (lacht). Das Entdecken und Sammeln auf unterschiedlichen Planeten mag ich auch in Games sehr.
Wie arbeitest du am liebsten kreativ?
Gestartet habe ich mit analogen Mitteln, aktuell arbeite ich aber vermehrt mit dem iPad und Procreate. Da mir Texturen sehr wichtig sind, greife ich weiterhin auf Skizzen und Handzeichnungen zurück.
Was ist an Sojafischchen so faszinierend?
Was ich faszinierend finde, ist die unglaubliche Vielfalt, die möglich wäre. Die simple, grafische Aufbereitung des Fischs ist genial und lässt sich perfekt auf andere Formen und Tiere übertragen. Und ich liebe Sushi und freue mich immer, den Sojafisch zu kaufen (lacht).
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