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Im Gespräch mit Leya Luna

von Michael Bohli • 14.03.2026

Die Illustratorin Leya Luna lebt in der Ostschweiz und arbeitet fleissig an ihren Kinderbüchern. Wir haben uns mit ihr über den Werdegang und die Buchbranche unterhalten.

Es war ein wunderbar sonniger Tag, als wir uns mit Leya Luna in St. Gallen zum Gespräch trafen. Perfektes Wetter, um in Spaziergängen die Welt und Menschen zu beobachten und Anekdoten für Geschichten zu finden.

Leya setzt als Kinderbuchautorin und Illustratorin stark auf Erlebtes und Erfahrungen, was sich in den ausdrucksstarken, warmen Zeichnungen zeigt. 2027 wird sie ihre ersten Bücher veröffentlichen; ein guter Zeitpunkt also, um über Zebras, die Berufswahl und Publikationen zu sprechen.

Phosphor: Hast du ein Lieblingstier?

Leya Luna: Wahrscheinlich die Katze, weil ich selber eine habe. Sie lebt aktuell noch bei meinen Eltern, dort hat sie Zugang zur Natur. Als Kind war ich sehr auf Zebras fixiert – die habe ich damals oft gezeichnet und besass zahlreiche Zebra-Gegenstände.

Besitzt du die Zeichnungen aus deiner Kindheit noch?

Meine Eltern haben alles aufbewahrt, auch die Arbeiten aus meinem Studium, die ich selbst am liebsten weggeworfen hätte. Meine Mutter meinte dann: Nein, das musst du behalten, falls du berühmt wirst (lacht).

Mein Götti ist Gitarrenbauer und hat mir einmal eine Lampe gebaut, die eine Strichmännchen-Zeichnung von mir nachbildete. Das ist crazy!

Das Zeichnen war immer ein Teil deines Lebens?

Ja, ich habe immer gezeichnet. Viele Leute hören nach ihrer Kindheit damit auf – die Personen, die im Bereich Kunst tätig sind, haben nie gestoppt (lacht). Meine Mutter war selbstständige Werbetechnikerin und ich habe als Kind oft in ihrem Büro unter dem Tisch gesessen und gezeichnet.

Bei vielen Menschen kommt nach der Kindheit der Moment, in dem sie sagen: Ach, ich kann das nicht.

Wenn das Auge besser geschult ist als die Hand und die Fehler sofort sieht, dir aber die Mittel zur Korrektur fehlen, ist es eine schwierige Phase. Durchzubeissen und weiterzumachen benötigt Motivation, doch es lohnt sich. Menschen, die gut zeichnen, haben sich die notwendige Zeit genommen und viel geübt. Das können alle.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem du festgestellt hast, dass du Illustration studieren möchtest?

Bei der Berufswahl dachte ich, Zeichnen sei mein Hobby und als Beruf würde es mir den Spass verderben – das stimmt logischerweise nicht. Damals wollte ich in Richtung Psychologie, schwenkte im Vorkurs aber zur Grafik um. Ich erhielt eine Lehrstelle und durfte viel illustrieren, was mich nach Luzern an die HSLU gebracht hat. Das dortige Studium im Bereich Illustration Fiction war sehr bereichernd. Meinen Master habe ich an der Cambridge School of Art im Bereich Children’s Book Illustration gemacht.

Haben dich die Orte SfGZ, HSLU und Cambridge School of Art unterschiedlich geprägt?

Auf jeden Fall, am meisten hat mich die Zeit in England gefordert. In Cambridge ist der gesetzte Standard für die Arbeiten sehr hoch, was mich angespornt hat. Besonders, weil die Arbeiten am Schluss der Ausbildung in einer Ausstellung dem Fachpublikum gezeigt werden.

In Cambridge habe ich mit meinen Kolleg:innen jeden Tag gezeichnet. Das war eine starke Immersion ins Thema und inspirierend. Wir wurden zudem motiviert, eigene Geschichten zu schreiben.

 

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Verwandelst du eigene Erfahrungen und Beobachtungen in Bilder und Geschichten?

Ja, fast nur. Im Bereich Kinderbücher ist das wichtig und zeichnet eine Autorin aus. Zudem wollen Agenturen stets wissen, was für eine Person du bist, welche Hobbys du hast. Darum ist es sehr wichtig, Dinge zu zeichnen, zu denen man eine Verbindung hat. Das lässt echte Freude spürbar werden. Das tolle an Kindermedien ist, dass wir alle einmal Kinder waren und uns damit identifizieren können.

Wie sieht der Schweizer Markt im Bereich Kinderbücher aus?

Ich arbeite gerne mit Schweizer Verlagen, auch wenn der Markt nicht sehr gross und zudem in vier Sprachregionen aufgeteilt ist. Das Coole am deutschsprachigen Raum ist natürlich, dass Bücher auch in Deutschland und Österreich erhältlich sind. Und die Arbeit mit englischen Verlagen macht mir auch viel Spass. Dazu kommen Aufträge für Illustrationen von Privaten oder Agenturen.

Beim Arbeiten mit einem Verlag ist es sehr wichtig, dass man sich mit deren Programm und Darstellungsformen auseinandersetzt. Zudem ist es hilfreich, dass meine Geschichten nicht nur schweizbezogen sind, sondern oft Allgemeines thematisieren.

Aktuell arbeite ich an zwei Büchern, die 2027 in mehreren Sprachregionen erscheinen sollen. Sehr wichtig ist es für mich darum, die Kinderbuchmesse im April in Bologna zu besuchen.

Die Buchprojekte haben eine lange Vorlaufzeit.

Genau. Ein Projekt entstand damals in meinem Masterstudiengang, das zweite habe ich vor zwei Jahren begonnen. Die Wiederaufnahme und der Abschluss solcher Projekte kann eine Herausforderung sein, aber ich freue mich darauf, diese Erfahrung zu machen.

Du bist neu bei der Inkling Illustration Agency dabei. Was bedeutet das für dich?

Das ist für mich sehr toll und bietet zahlreiche Möglichkeiten. Der Administrationsaufwand wird von der Agentur bewältigt, wie auch die Verhandlungen und das Prüfen von Verträgen. Dadurch habe ich mehr Zeit für meine kreativen Arbeiten. Und es ist eine grosse Bestätigung meiner Fähigkeiten, die Agentur sieht mein Potential. Ich selbst bin meine grösste Kritikerin und zweifle zu oft an den Resultaten.

Als Co-Leiterin des Schweizer Mentorship-Programms Bolo Klub begleite ich zudem neue Talente und fördere diese. Dort veranstalten wir regelmässig Treffen und Feedback-Runden, was für alle sehr wertvoll ist.

Welche Werkzeuge benutzt du beim Zeichnen am liebsten?

Während ich früher digital gezeichnet habe, entdeckte ich in Luzern und Cambridge das Handwerk für mich. Diese charmanten Imperfektionen der Handzeichnungen sind wundervoll und ich mische gerne alles miteinander: Pastellfarben, Gouache, Farbstifte und mehr. Mein Arbeitstisch ist oft ein grosses Chaos an Material (lacht). Die letzten Schritte und das Clean-Up erfolgen digital.

Wo wirst du dieses Jahr anzutreffen sein?

Ich werde erneut mit Aoyuna an der Fantasy Basel mit dabei sein und wenn es klappt, sind wir im Herbst wieder bei der ZURICH POP CON vor Ort.

Hast du Träume?

Ich arbeite aktiv daran und die kommenden Buchveröffentlichungen werden ein grosser Traum sein, der in Erfüllung geht. Was mich sonst reizt, wäre ein Brettspiel illustrieren zu dürfen – oder eine Karte von «Magic: The Gathering».

Nebst deinen Bucharbeiten postest du regelmässig tolle Illustrationen, die du für Freund:innen machst. Wie findest du diese Zeit?

Das ist eine gute Frage (lacht). Seit dem November arbeite ich Vollzeit selbständig. Im Dezember hatte ich eine Woche Pause und die Zeit für Nebenprojekte und Weihnachtsgeschenke genutzt. Ich habe meine Freizeit also mit noch mehr Zeichnungsarbeit gefüllt. Ein weiterer Beweis dafür, dass man das Hobby doch zum Job machen sollte (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch.

Leya Luna empfiehlt den Shop von Support Your Local Artist, online und als Ladengeschäft in Zürich. Und melde dich noch heute bei Leyas Newsletter an.


Mehr Phosphor: Wir haben Leya Luna und Aoyuna 2025 an der ZURICH POP CON besucht.

Über Leya Luna:

Leya Luna ist Illustratorin und Grafikdesignerin und lebt aktuell in der Ostschweiz. Sie hat sich auf Kinderbücher spezialisiert und arbeitet aktuell an ihren ersten Veröffentlichungen. Diese werden 2027 auf den Markt kommen.

Sie hat einen Masterabschluss im Bereich Kinderbuchillustration der Cambridge School of Art und einen Bachelor in Visueller Kommunikation der HSLU.

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