von Mina Rabenalt • 03.09.2025
Es fängt an, wenn du den Drang hast, mit einem Handtuch eine Liege zu reservieren oder beim Buffet drei Teller vollzuladen, weil du Angst hast, nicht von allem etwas abzubekommen. Ausserdem: Man hat ja schließlich gezahlt! Erst bleibt es bei der inneren Erregung, doch irgendwann kommt der Punkt, da musst du handeln. How to channel your inner Alman in a good way.
Alles fing mit dem Wunsch an, klar zu kommunizieren und die Arbeit so gering wie möglich zu halten.
Der ursprüngliche Termin war geplatzt, da der Monteur krank geworden war. Der neue Termin zur Wartung der Rauchmelder: ein Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr. Also schrieb ich dem Unternehmen:
Liebes Team XY,
ich habe einen Termin zur Reparatur der Rauchwarnmelder am XY zwischen 14–16 Uhr. Bitte klingeln Sie bei meiner Nachbarin XY. Sie hat einen Schlüssel zu meiner Wohnung, da ich zu der Zeit leider verhindert bin.
Liebe Grüße
Mina Rabenalt
Die Antwort folgte prompt:
Sehr geehrter Herr Rabenalt,
um Ihre E-Mail zu bearbeiten, brauchen wir bitte Ihre Adresse.
Natürlich schickte ich meine Adresse – und die Wochen strichen ins Land.
Der Termin stand an, meine Nachbarin war bereit. Aber niemand klingelte. Also schrieb ich, wie es meinem Naturell entspricht, wieder eine Mail:
Liebes Team XY,
ich hatte einen Termin von 14:00 bis 16:00 Uhr zur Reparatur der Rauchwarnmelder. Leider ist niemand erschienen. Wird es einen neuen Termin geben?
Liebe Grüße und schöne Pfingsten!
Mina Rabenalt
(gesamte Adresse angehängt)
Vier Tage später meldete sich die Sachbearbeiterin Nummer 1 – und vergaß, den weitergeleiteten Teil aus der internen Kommunikation zu löschen.
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
herzlichen Dank für Ihre Informationen.
Damit wir Sie auch zuordnen können, benennen Sie uns bitte die Abrechnungseinheit, Nutzeinheit sowie Ihre Hausverwaltung.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Woche und stehen für weitere Informationen gern zur Verfügung.
Und dann, intern:
Beweisfoto sagt, er war 14:01 da, aber es ist XY.
Der Thriller begann. Noch nie hatte ich von einer Abrechnungs- oder Nutzeinheit gehört. Also bildlich festgehalten und an die Hausverwaltung gesendet. Ich wollte doch einfach nur, dass dieser blöde Termin erledigt ist und ich für lange Zeit niemanden mehr in meine Wohnung lassen muss.
Die Genossenschaft war sofort Feuer und Flamme:
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
die Firma XY sollte eigentlich in der Lage sein, anhand Ihrer Anschrift Sie auch zuordnen zu können.
Dennoch teilen wir Ihnen die geforderte Nutzeinheit wie folgt mit: BLABLABLA
Können Sie uns freundlicherweise beide Termine benennen, die seitens der Firma Kalo nicht eingehalten wurden? Haben Sie noch die entsprechenden Terminkarten, worauf das beauftragte Unternehmen zur Überprüfung Ihrer Rauchwarnmelder aufgeführt ist?
Gerne möchten wir diesen Sachverhalt mit unserem Vertragspartner Kalo klären, warum Termine nicht eingehalten werden.
Für Ihre Unterstützung im Voraus dankend verbleiben wir mit den besten Wünschen für einen angenehmen Tag.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Genossenschaft XY
Ich spürte, wie sich für den Krieg gerüstet wurde. Jetzt wurden Beweise gesammelt, und das Recht des Almans sollte durchgesetzt werden. Wer hat das größere Handtuch?
Wie geheißen, informierte ich die Firma über meine Nutzeinheit – und fünf Minuten später kam das Meisterwerk:
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
herzlichen Dank für Ihre Rückinformation.
Unser Monteur war vor Ort und hat Sie nicht angetroffen.
Hier wird der Hausverwaltung eine Rechnung für den Arbeitsausfall gestellt. Bitte klären Sie den Sachverhalt mit Ihrer Hausverwaltung.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Woche und stehen für weitere Informationen gern zur Verfügung.Angehängt: ein Foto eines Fingers auf meiner Klingel.
War das ganze Geplänkel zuvor nur Ablenkung, um Zeit zu gewinnen? Egal – ich unterrichtete die Genossenschaft. Nach einem Tag folgte die Antwort:
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
wir bestätigen Ihnen zunächst den erfolgten E-Mail-Verkehr zwischen Ihnen und der Firma XY.
Wir glauben jedoch, dass es für XY und in der Regel auch für das beauftragte Subunternehmen organisatorisch nicht möglich ist, dass sich der Monteur bei einer anderen Mieterin meldet, um den Zugang zu Ihrer Wohnung zu erlangen. Bei künftigen Terminen (welche auch immer) ist es sinnvoll, wenn jemand direkt in der Wohnung auf die Firma wartet.
Das wäre dann keine Aufgabe für einen Mitmieter, sondern für eine Vertrauensperson oder einen Angehörigen.
Wir warten jetzt erstmal ab, ob die Firma XY uns eine Rechnung übermittelt oder aber doch Ihre Mitteilungen berücksichtigt.
Für heute verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Ihre Genossenschaft XY
Noch nie war vorausschauendes Handeln so sehr in die Hose gegangen.
Zwei Monate später.
Frisch erholt aus dem Urlaub öffnete ich meinen Briefkasten – und fand dies:
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
im Rahmen einer Funkauswertung der installierten Rauchwarnmelder wurde eine Störmeldung aus Ihrer Wohnung verzeichnet, die eine Prüfung der Geräte notwendig machte. Firma XY hatte Ihnen zu diesem Zweck seinen Termin für den 05.06.2025 übermittelt.
Wir wurden informiert, dass Sie diesen Termin nicht wahrgenommen bzw. keinen Zugang ermöglicht haben. Für die Fehlfahrt sind Kosten in Höhe von 54,84 Euro entstanden, die wir an Sie weiterbelasten.
Anliegend überreichen wir Ihnen eine Kopie der Rechnung vom 13.08.2025 nebst Nachweis, dass der Monteur bei Ihnen vergebens geklingelt hat.
Zur Vermeidung weiterer Kosten nehmen Sie bitte den nächsten Termin wahr oder gewährleisten den Zugang zur Wohnung über eine Vertrauensperson.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Genossenschaft XY
Selten fühlte ich mich gleichzeitig so unfair behandelt und wie eine Straftäterin. Aber dann kickte mein innerer Alman.
Ich schrieb zurück:
Sehr geehrte Frau XY,
hiermit widerspreche ich der von Ihnen ausgestellten Rechnung über 54,84 € für den angeblich verpassten Prüftermin am 05.06.2025.
Wie bereits am 27.05.2025 per E-Mail an die Firma XY mitgeteilt, war der Zutritt zu meiner Wohnung über meine Nachbarin Frau XY gesichert. Damit habe ich meiner Mitwirkungspflicht gemäß § 555a BGB vollständig nachgekommen.
Das beigefügte Foto des Klingelschildes zeigt lediglich den Finger des Monteurs, nicht aber, dass der Zugang aus meiner Verantwortung nicht gesichert war.
Ich fordere Sie daher auf, die Rechnung zurückzuziehen.
Für künftige Termine werde ich sicherstellen, dass der Zugang zur Wohnung durch mich oder eine bevollmächtigte Vertrauensperson gewährleistet ist.
Mit freundlichen Grüßen
Mina Rabenalt
(Anhänge: E-Mail vom 27.05.2025 an XY)
Am nächsten Morgen, 7:30 Uhr, die Antwort:
Sehr geehrte Frau Rabenalt,
wir können Ihnen hiermit bestätigen, dass die Firma XY aufgrund Ihrer Ausführungen die Kosten storniert hat. Wir werden daher unsere Rechnung ebenfalls stornieren.
Wir wünschen Ihnen eine angenehme Woche.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Genossenschaft XY
Ha! Nimm das, Passierschein A38!
Und das Happy End? Eine Woche später: ein neuer Termin für die Rauchmelder-Wartung.
Der Grund, warum ich ursprünglich keine Probleme bereiten wollte.
Aber jetzt hatte ich Blut geleckt. Ich werde wie Darkwing Duck der Schrecken sein, der durch die Nacht flattert – um Almans auf Trab zu halten.
So habe ich direkt eine Beschwerde an den Rundfunkrat geschrieben. Per Brief!!!!! Weil die ARD meinte, in den Sommerferien um kurz vor 10 Uhr einen Krimi zeigen zu müssen, in dem zuerst eine gewaltvoll inszenierte Sexszene lief und danach ein autistisch dargestellter Junge mit blutigem Messer als Täter angedeutet wurde.
Warum kann man um die Uhrzeit nicht einfach Bibi und Tina zeigen? Ferienprogramm: tot. Aber die Energy bleibt. Man muss sie nur gegen die Richtigen einsetzen.
Das wunderbare Festival «Jamel rockt den Förster», organisiert von den einzigen zwei Menschen, die sich einem Nazidorf entgegenstellen, wird jedes Jahr durch Bürokratie gegängelt. Wir mussten nur in speziellen Zonen laufen, weil angeblich eine bedrohte Tierart dort gesichtet worden sei – die allerdings noch nie jemand zuvor gesehen hatte.
Es gingen zahlreiche Beschwerden ein. Und genau so ein alman’sches Drecksverhalten brauchen wir. Dringend.
Alle Formulare sind ausgefüllt, frist- und formgerecht abgeschickt.
Da: Bürokratie-Alman Antifa!
Wenn ihr Wunschthemen, Anregungen und Pöbeleien habt oder in den Genuss der Superpower des Weltbeste-Mixtapes-Machens kommen wollt, dann sendet eine Nachricht an:
Über Mina Rabenalt
Mina Rabenalt wurde geboren in Berlin Friedrichshain im Jahre 1993. Aufgewachsen an der Warschauer Brücke und an der Rummelsburger Bucht, war sie schon immer da, bevor es cool wurde und man es sich nicht mehr leisten konnte. Sie arbeitet derzeit als Therapeutin.
Alle bisherigen Kolumnen findest du hier.