von Mina Rabenalt • 04.02.2026
Wir reden viel zu selten über ehrenvolle Dinge und schon gar nicht so, als wären diese selbstverständlich. Ein Versuch zum Anstacheln.
Letztens kam eine Mama von einem Kind aus dem Jugendtraining auf mich zu und war schockiert, dass wir für die zwei Stunden wöchentlich kein fettes Trainygehalt erhalten, sondern ein kleine Ehrenamtspauschale. Es ist für mich anhand einiger Anmeldungen per E-Mail spürbar, dass ein Teil der Eltern uns als Dienstleistys sieht. Irgendwo zwischen Dienstmagd und Kind-zu-Olympia-Bringys. Es wird also kaum wahrgenommen, dass wir dafür unsere Freizeit opfern. Die Selbstlosigkeit wird unsichtbar gemacht durch die Leistungsgesellschaft. Ich erwähne von Beginn an, dass wir keine Kaderschmiede sind und niemanden knechten werden. Einige schenken dem kein Gehör.
Ich frage mich bis heute, ob ausschliesslich Leute mit Helfenden-Syndrom in diesen Positionen landen und einen Verein am Leben erhalten. Was ist, wenn alle burnoutet sind? Wie schafft man es Max(i) Mustermann davon zu überzeugen, etwas der Gesellschaft zurückzugeben? Warum haben Menschen wie ich eher das Gefühl zu wenig zu geben? Ich gebe sehr gerne etwas Engagement ab. Es macht auch stolz und glücklich, ich schwöre. Je mehr Menschen etwas übernehmen, desto weniger Stress für die, die auf weiter Flur allein stehen. Es ist cool, zu beschäftigt und zu sehr am Hustlen zu sein, als dass man sich damit beschäftigt.
Ich will einen Tik-Tok-Trend: #bettersocietybetterme
Dazu wünsche ich mir, dass es ähnlich beliebt ist, über die eigenen Spenden zu reden, wie über seine ETFs und Aktien. Dass es wichtig, cool und zeitgemäss ist, da hineinzuinvestieren. Beim Nachdenken spielte mir mein Gehirn einen Streich und ich dachte, ich hätte erst in den Dreissigern mit stabilem Gehalt meine Karriere gestartet. Nein, das Klischee aus der Praxis, dass die, die wenig haben, am meisten geben, habe ich erfüllt. Von Nichts noch Spenden an ProVeg finanziert. Irgendwann verlor ich den Fokus auf die Thematik und wechselte zu Spendierhosen für Pinkstinks, die bis heute jeden Monat bedacht werden. Dann kam noch das Grundeinkommen dazu, was auch monatlich bedacht wird, genauso wie Sea Shepherd. Meine heiligen Drei. Und es macht mich so stolz.
Und ich weiss, ich habe nur begrenzte Töpfe und kann nicht die Welt retten. Aber stelle dir einfach vor, jeder Mensch würde selbstverständlich denken, dass man wenigstens eine Sache monetär oder ehrenamtlich aufbringen sollte. Egal ob wöchentlich, monatlich oder jährlich. Und dann wird sich darüber ausgetauscht, weil es das neue heisse Teil aus der Kollektion ist, welches sie alle 2026 tragen wollen.
Make Antiegoarbeit great again!
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Über Mina Rabenalt
Mina Rabenalt wurde geboren in Berlin Friedrichshain im Jahre 1993. Aufgewachsen an der Warschauer Brücke und an der Rummelsburger Bucht, war sie schon immer da, bevor es cool wurde und man es sich nicht mehr leisten konnte. Sie arbeitet derzeit als Therapeutin.
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