von Mina Rabenalt • 06.05.2026
Es gibt niemanden, bei dem der eigene Geburtstag nichts auslöst. Einige vergessen ihn einfach, andere inszenieren groß oder pflichtbewusst. Man ist enttäuscht, man hat Erwartungen, man hält sich an soziale Protokolle.
Ich bin jetzt einfach ein volljähriges Hobbitwesen. Ich habe einige Videos vorgeschlagen bekommen, wie so Leute ihren 33. Geburtstag feiern. Ich habe den Anblick sehr genossen und bin dann in meinen Balkonstuhl gesackt und habe die Hummeln beobachtet. Das erste Jahr, wo ich vorher nicht angespannt bin, weil die Angst keinen Wert für Menschen zu haben, dazu führt finanziell über die Stränge zu schlagen.
Es muss nicht jedes Jahr Escape Room und fett Essengehen sein. Es ist so befreiend, dass ich mir dafür Geld zurücklegen kann und nicht panisch vor einer Minabeweihräucherung die maximale Anzahl der Drinks der Gästys limitieren muss. Irgendwie hat sich eine Mischung aus Performanz und endlich anderen was Gutes tun zu können, eingeschlichen. Endlich stabil im Leben!
Dieses Jahr habe ich mich gefragt: Was ist das größte Geschenk, was ich mir machen kann? Und mein Bauchgefühl war klar: Zeit. Eine Woche Urlaub um meinen Tag herum und viel Zeit mit Laptop auf dem noch kühlen, aber wenigstens sonnigen Balkon. Weiter am Roman schreiben, für den leider in der Regel die Zeit oder die Kraft fehlt. Ich beginne die Feierwoche mit Kind und Lebenskomplize auf Skatern, lachend, weinend vor Schmerz und stolz nach dem Aufstehen und Weiterrollen. Beste Geschenke, bester Kuchen und beste Love.
Und ich beende die Woche mit den Menschen, die egal mit wem zusammengewürfelt, immer eine tolle Stimmung verbreiten. Ohne Tamtam, ohne Inszenierung, einfach nur Bowling. Und danach Airhockey wie die Eichhörnchen. Die Glückwünsche authentisch und liebevoll. Die Geschenke wohl kuratiert und selbstgemachte Unikate. Das Schwelgen in Erinnerungen heilsam. Ich bin wichtig für mein Umfeld. Und es überrascht immer wieder aus welcher Ecke die Zuneigung und Anerkennung meinerseits kommt. Ich spüre Dankbarkeit. So viel Ruhe. So viel Langsamkeit. Ich muss niemanden etwas beweisen. Die Menschen kommen auf mich zu mit ihrer immensen Liebe. Einfach so, weil ihnen das wichtig ist.
Wie krass ist das? Ich muss mir Aufmerksamkeit gar nicht erarbeiten. Sie kommt von denen, die auch noch in 30 Jahren da sein werden. Ich ehre euch alle. Ich sehe euch. Ich fühle euch. Danke. Ich spüre so viel Sicherheit und Vertrauen. Ich bin bereit für alt und weise sein.
Wenn ihr Wunschthemen, Anregungen und Pöbeleien habt oder in den Genuss der Superpower des Weltbeste-Mixtapes-Machens kommen wollt, dann sendet eine Nachricht an:
Über Mina Rabenalt
Mina Rabenalt wurde geboren in Berlin Friedrichshain im Jahre 1993. Aufgewachsen an der Warschauer Brücke und an der Rummelsburger Bucht, war sie schon immer da, bevor es cool wurde und man es sich nicht mehr leisten konnte. Sie arbeitet derzeit als Therapeutin.
Alle bisherigen Kolumnen findest du hier.